Zisterzienser - Oblate sein
Sr.M.Caterina O.Cist
Ursprung
Das
Oblatwesen ist heutzutage kaum bekannt,
doch erwähnt es Benedikt bereits in seiner berühmten Ordensregel vor 1500
Jahren. Hier spricht er von Kindern, die von ihren Eltern zu
einem Kloster gebracht und an Gott gegeben werden (Oblation =
Hingabe). Das äußere Zeichen dafür war, daß eine Hand des Kindes
in das Altartuch eingewickelt wurde. Dies ist heute verboten.
Früher jedoch blieb den Eltern, wenn sie für ihre Kinder eine
gute Erziehung wollten, kaum eine andere Wahl, da es nur in den
Klöstern die Möglichkeit gab, eine Schule zu besuchen und somit
eine gute Ausbildung zu erhalten. So war z.B. der heilige Thomas
von Aquin Oblate in Monte Cassino, wurde später jedoch
Dominikanermönch. Auch die große Heilige Gertrud von Helfta
wurde schon mit 5 Jahren in ein Kloster gegeben.
Berufung zum Oblaten - heute
So wie die Eltern damals für ihre Kinder das Beste wollten und
suchten, so ist es auch heute mit den Männern und Frauen, die
sich als Oblate an ein Kloster binden. Sie sind Menschen, die
mehr wollen! Menschen, die von dem Wunsch und dem Willen
getrieben werden, zu lernen und stets das Bessere zu suchen und
zu tun. Ja, sie suchen das Beste, nämlich Jesus Christus selbst!
Die Oblatenfamilie
Da Jesus Christus aber schwer zu finden ist, brauchen wir alle
Hilfe bei unserer Suche. Dafür ist die Kirche, eine Gemeinschaft
von vielen, gegründet worden. Der Mensch ist bestimmt für die
Gemeinschaft - allein geht er zugrunde. Wie die Familie von
Vater, Mutter und Kindern eine natürliche Gemeinschaft ist, so
ist die Oblatenfamilie, wie auch eine Klostergemeinschaft, eine
übernatürliche Gemeinschaft. Anders, als bei einer natürlichen
Familie, stammen die Mitglieder dieser Gemeinschaft aus
verschiedenen Familien, mit verschiedenen Hintergründen. Der
Oblate muß den Wunsch haben, sich in diese Gemeinschaft
einzufügen und er muß den Willen haben, zu hören. "Höre", lautet
das erste Wort der Benediktsregel. Wer nicht hören will, kann
nicht Oblate werden. Hören - über das Leben, den Tod und die
Ewigkeit. Viele haben heute ihre Ohren verstopft und hören
nicht. Es kommt aber nicht nur darauf an, mit den Ohren zu
hören, sondern vor allem mit dem Herzen. Wenn wir mit unseren
Herzen hören, können wir auch annehmen, was wir nicht verstehen
und dann können wir auch die lieben, mit denen wir
Schwierigkeiten haben.
Wir müssen gut sein, so wie Gott gut ist. Jedoch ohne Seine
Sonne, die Sonne der Liebe, kann nichts blühen. Auch eine
Oblatengemeinschaft kann nur bestehen und blühen, wenn sie in
der Liebe gelebt wird und besonders in der Liebe zu denen, die
man eigentlich nicht liebt.
Wie wird man Oblate?
Jeder Mann und jede Frau, ob verheiratet oder ledig, der / die
in sich die Berufung fühlt, die benediktinische Spiritualität im
eigenen Leben in der Welt zu verwirklichen, kann sich als Oblate
an ein Kloster binden. Nachdem man für einige Zeit Kandidat war,
kann man nach Beratung mit dem Oberen des betreffenden Klosters,
um Aufnahme in die Oblatenfamilie als Novize bitten. Dies
geschieht dann in der Regel durch eine einfache Zeremonie
während einer Messe, wo der Priester den Segen für das kommende
Noviziat spendet. Die Zeit des Noviziates beträgt normal
mindestens 1 Jahr. Hat der Novize in dieser Zeit seinen
aufrichtigen Eifer und seine richtige Gesinnung gezeigt, kann
er, wiederum nach Beratung mit dem Oberen, seine Oblatgelübde
ablegen. Er verspricht darin, sich Gott zu geben und Christus
durch ein benediktinisches Leben in der Welt nachzufolgen und
zwar in der Bindung an dieses betreffende Kloster. Der Oblate
unterschreibt sodann ein Dokument, welches als Zeichen für seine
volle Hingabe an Gott ("oblatus esse") auf den Altar gelegt
wird. Konkret wird dieses Gelübde, wenn es im Dienst an den
Brüdern und Schwestern gelebt wird. Denn das Kriterium für meine
Gottesliebe, ist immer die Liebe, die ich meinen Nächsten zeige
und die Liebe wird erst dann wahr, wenn sie mich etwas kostet.
Leben des Oblaten
Der Oblate schließt sich also einem Kloster und einer
Oblatenfamilie an, um auf seiner Suche nach Gott vorwärts zu
schreiten und Hilfe auf seinem Weg zu erhalten. Das Kloster
hilft den einzelnen Oblaten und begleitet sie, so daß sie nicht
alleine gehen. Der Oblate sollte aber auch dem Kloster helfen,
da er sich in seinen Gelübden ja an dieses gebunden hat. So wie
der Oblate an allen Gebeten, Arbeiten und Opfern des Klosters
Anteil hat, so sollte er von seiner Seite aus dem Kloster aktiv
dienen. Hier ist wieder das Hören des Herzens von Bedeutung. Nur
bei Oblatentreffen zu sitzen und Vorträgen zuzuhören, ist nicht
genug. Das Gehörte, das im Herzen Gehörte, muß zur Tat werden.
Der Oblate darf nicht nur die "Milch der Säuglinge" zu sich
nehmen, sondern muß auch die Speise der Erwachsenen, das "Brot
der Tränen", essen. Dies bedeutet Leiden, Opfer und den Willen
des Vaters zu tun. Der Oblate sehnt sich nach der radikalen und
konsequenten Hingabe an Gott, keine Hingabe, bei der man nur
einen Tropfen gibt. Jesus gab sein Blut bis auf den letzten
Tropfen. Das war Seine Oblation. Er ist der erste, wahre Oblate
und Ihm muß jeder Oblate nachfolgen. Diese Nachfolge lebt der
Oblate in seiner Verbindung zu einem Kloster, z.B. durch Hilfe
bei praktischen Arbeiten das Kloster betreffend, aber vor allem
durch seine Mission, "Fenster in die Welt" zu sein. Durch sein
Leben soll er das Kloster in der Welt vertreten und durch sein
Leben und Beispiel soll er wie ein Fenster sein, durch das alle
Menschen in das Kloster "hineinschauen" können und diesem, aber
vor allem Gott selbst, näher kommen.
Da die Bindung des Oblaten an ein Kloster eine übernatürliche
Bindung ist, sollte der Oblat dem Gebet einen festen Platz in
seinem Leben geben. Die Verpflichtung zum Stundengebet ist zwar
nicht obligatorisch, aber der Oblate sollte sich bemühen,
wenigstens eines im Laufe des Tages zu beten und sich so, wo
auch immer er ist, mit dem Kloster in einer großen geistigen
Familie zu vereinen. Besonders empfehlenswert sind Laudes und
Vesper als Anfang und Abschluß eines Arbeitstages. Auch die
tägliche Betrachtung und die geistliche Lesung sollten zum Tag
eines Oblaten dazugehören. Sie bilden die geistige Nahrung auf
einer übernatürlichen Wanderung.
Lösung von Gelübden:
Ein Oblatengelübde ist nicht juridisch, kirchenrechtlich bindend.
Das Kloster kann die Oblation aufheben, so wie auch der Oblate
selbst um Entlassung bitten kann. Aber hier, wie immer gilt: Auf
die Treue kommt es an!
Oblate im Herz - Marien Kloster, Dänemark
Seid 1988 besteht in unserem Kloster die Möglichkeit, Oblate zu
werden. Zur Zeit haben wir 15 Oblaten, die sich am letzten
Wochenende eines jeden Monats in unserem Kloster sammeln. Hier
nehmen sie an den Chorgebeten teil, unterstützen die Schwestern
durch ihre Arbeit und erhalten von der Oblatenrektorin, z.Z.
Mutter Theresa, Vorträge über verschiedene Themen, meist
Auslegungen zur Benediktsregel. Einmal im Jahr bieten wir
Exerzitien für unsere Oblaten an, die mit der Erneuerung der
Oblatengelübde in einer feierlichen Messe abschließen.