Aelred von Rievaulx, Spiegel der Liebe
Tränen und Trauer
«Doch was ist mit dir los, meine Seele, daß du sein sanftes Hinscheiden so lange ohne Tränen betrachtet hast? Was ist los, daß du dich von dem dir so teuren Leib ohne Küsse getrennt hast? Ich Armer trauerte, stöhnte und stieß aus tiefstem Herzensgrund lange Seufzer aus, dennoch weinte ich nicht. Ich sah, wie groß meine Trauer sein müßte, daß mir vorkam, überhaupt nicht zu trauern, auch wenn ich von heftiger Trauer erfüllt war. So habe ich es später empfunden. Eine solche Betäubung hatte meinen Geist übermannt, daß ich, selbst als seine Glieder schon zum Waschen entblößt worden waren, noch immer nicht an seinen Tod glauben konnte. Ich konnte es nämlich nicht fassen, daß mein Freund, der mit den engen Banden innigster Liebe mit mir verbunden war, plötzlich meinen Händen entglitt. Ich konnte nicht fassen, daß jene Seele, die eins mit der meinen war, ohne die meine aus den Fesseln des Leibes herausgelöst werden konnte. Doch nun ist die Betäubung dem Gefühl, ist dem Schmerz und ist dem Mitleid gewichen. Was tut ihr jetzt, meine Augen, was tut ihr? Bitte, schont euch nicht, bleibt nicht gleichgültig! Bietet beim Begräbnis meines geliebten Freundes alles auf, was ihr habt, was ihr könnt! Warum schäme ich mich? Weine ich etwa allein? Seht doch, wie viele Tränen, wieviel Stöhnen, wie viele Seufzer es überall gibt! Oder sind vielleicht diese Tränen zu tadeln? Deine Tränen aber, Herr Jesus, entschuldigen uns. Du hast sie beim Tod deines Freundes vergossen und hast damit unsere Empfindungen ausgedrückt, deine Liebe jedoch einfließen lassen. Du hast, Herr, die Gefühle unserer Schwäche angenommen, doch nur wann du wolltest, deshalb hättest du auch nicht weinen können. Wie wohltuend sind deine Tränen, wie süß! Wie köstlich sind sie für mein gequältes Herz und wie tröstlich! „Seht“, sagten sie, „wie lieb er ihn hatte!“ (Joh 11,36) Seht auch, wie sehr mein Simon von allen geliebt, von allen ins Herz geschlossen und von allen geschätzt wurde! Vielleicht aber verurteilen nun manche starken Seelen meine Tränen und halten meine Liebe für allzu fleischlich. Sollen sie diese nur deuten, wie sie wollen! Du aber, Herr, sieh du meine Tränen und schau auf sie! Die anderen sehen das Äußere, achten aber nicht auf das, was ich im Inneren leide. Dorthin aber dringen deine Augen, Herr!
In meinen Augen hatte dieser dein Diener ganz gewiss nichts an sich, was ihn etwa hindern könnte, in deine Umarmung einzugehen.»
(Aelred von Rievaulx, Spiegel der Liebe 1,112, hg. v. der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach, Texte der Zisterzienser-Väter 2, Eschenbach 1989, S. 124-125).
«Ma come è accaduto, o anima mia, che tu abbia guardato così a lungo le sue spoglie senza lacrime? Come è stato possibile che tu abbia lasciato partire quel corpo senza baci? Ero affranto, me infelice, e ruggivo dentro di me, e dal profondo del cuore traevo lunghi sospiri, e però non piangevo. Vedevo chiaramente che avrei dovuto soffrire tanto in seguito che allora non mi sembrava neanche di soffrire, anche se soffrivo in modo violento. Di questo mi resi conto dopo. La mia mente era talmente intontita che, anche quando fu denudato per essere lavato, non credevo ancora che fosse morto. Non riuscivo a credere che colui che avevo stretto a me con forti vincoli di un amore dolcissimo, mi fosse improvvisamente scivolato via dalle mani; non riuscivo a credere che quell’anima che formava una cosa sola con la mia avesse potuto senza la mia liberarsi dai ceppi del corpo. Ma ormai quello stupore ha lasciato il posto all’affetto, al dolore, alla compassione.
E ora cosa fate, occhi, cosa fate? Non risparmiatevi, vi prego, non dissimulate. Portate alle esequie del mio amato tutto quello che avete, tutto quello che potete. Perché arrossire? Sarei io il solo a piangere? Ma ecco, quante lacrime dovunque, quanti gemiti, quanti sospiri. Forse che queste lacrime meritano un rimprovero? Ma abbiamo come scusa le tue lacrime, o Signore Gesù, che hai versato per la morte del tuo amico, e che esprimono sì la nostra afflizione, ma vi introducono anche la carità. Hai indossato, Signore, il sentimento della nostra debolezza, ma solo quando hai voluto, e dunque sei riuscito anche a non piangere. Quanto sono dolci le tue lacrime, quanto sono soavi! Che buon sapore per l’ansia della mia mente, e quanto consolano! Ecco, dicono, come lo amava.
Ed ecco come il mio Simone era amato da tutti, abbracciato da tutti, da tutti accarezzato. Ma forse ci sono degli spiriti forti che condannano le mie lacrime e che giudicano il mio amore troppo carnale. Le interpretino come vogliono; tu però, Signore, vedile, guardale! Gli altri vedono quello che succede al di fuori, ma non badano a ciò che soffro interiormente. Lì arrivano i tuoi occhi, Signore. Certo, ai miei occhi questo tuo servo non aveva niente che potesse anche solo minicamente impedirgli di passare a godere dei tuoi abbraci.»
(Aelredo di Rievaulx, Lo specchio della carità 1,112, a cura di D. Pezzini, Milano 1999, p. 182-184).