DIE BENEDIKTUSREGEL

 

 

mit einer Konkordanz
der Artikel der Declaratio

 

Die Benediktusregel, herausgegeben im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2 1996.

Das Zistersienserlebens heute : Declaratio des Generalkapitels 2000 über die wesentlichen Elemente des Zisterzienserlebens heute [Cap. Gen.2000 (ACG 44(2000),)-43].

 

 
 

 

 



PROLOG

Pr 1-7

Textfeld: 21 März
23 Juni
25 Sept.
28 Dez.

    H

öre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! 02 So kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die Trägheit des Ungehorsams verlassen hast. 03 An dich also richte ich jetzt mein Wort, wer immer du bist, wenn du nur dem Eigenwillen widersagst, für Christus, den Herrn und wahren König, kämpfen willst und den starken und glänzenden Schild des Gehorsams ergreifst. 04 Vor allem: wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden. 05 Dann muß er, der uns jetzt zu seinen Söhnen zählt, einst nicht über unser böses Tun traurig sein. 06 Weil er Gutes in uns wirkt, müssen wir ihm jederzeit gehorchen; dann wird er uns einst nicht enterben wie ein erzürnter Vater seine Söhne; 07 er wird auch nicht wie ein furchterregender Herr über unsere Bosheit ergrimmt sein und uns wie verkommene Knechte der ewigen Strafe preisgeben, da wir ihm in die Herrlichkeit nicht folgen wollten.

Declaratio   Art.1-2

Art. 1. Wir, die Mitglieder des Generalkapitels, haben uns zur zeitgemäßen Erneuerung unseres Ordens versammelt. Nach reiflicher Überlegung, nach Einholung von Ratschlägen, haben wir beschlossen, vor allem die wesentlichen Elemente unserer Berufung und unseres Lebens darzulegen, umso gewissermaßen die Grundlage für das gesamte Werk der Erneuerung zu schaffen.

Daher wollen wir in dieser Erklärung ehrlich und aufrichtig darstellen, was wir uns bei der zeitgemäßen Erneuerung vornehmen, welche Ziele wir verfolgen und wie wir sie erreichen wollen.

Art. 2 Mit unserer Erklärung wollen wir keineswegs weitere Überlegungen oder neue Lösungen ausschließen; denn auch kommende Zisterziensergenerationen werden das Recht und die Pflicht haben, geeignetere und bessere Formen des monastischen Lebens zu suchen, nicht weniger als die Gründer von Cîteaux im 12. Jahrhundert oder die ihnen folgenden Generationen. Nur dann folgen wir in Wahrheit den Gründungsvätern des Novum monasterium, wenn wir nicht aufhören, Wege und Möglichkeiten zu suchen, wie wir unsere Berufung immer vollkommener nach dem Willen Gottes leben können.

           Pr 8-20

Textfeld: 22 März
24 Juni
26 Sept.
29 Dez.

S

tehen wir also endlich einmal auf! Die Schrift rüttelt uns wach und ruft: "Die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen." 09 Öffnen wir unsere Augen dem göttlichen Licht und hören wir mit aufgeschrecktem Ohr, wozu uns die Stimme Gottes täglich mahnt und aufruft: 10 "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!" 11 Und wiederum: "Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!"

12 Und was sagt er? "Kommt, ihr Söhne, hört auf mich! Die Furcht des Herrn will ich euch lehren. 13 Lauft, solange ihr das Licht des Lebens habt, damit die Schatten des Todes euch nicht überwältigen." 14 Und der Herr sucht in der Volksmenge, der er dies zuruft, einen Arbeiter für sich und sagt wieder: 15 "Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?" 16 Wenn du das hörst und antwortest: "Ich", dann sagt Gott zu dir: 17 "Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach! 18 Wenn ihr das tut, blicken meine Augen auf euch, und meine Ohren hören auf eure Gebete; und noch bevor ihr zu mir ruft, sage ich euch: Seht, ich bin da." 19 Liebe Brüder, was kann beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt? 20 Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens (Rm 13,11).

Declaratio   Art.11

Art. 11 Wir haben nicht die Absicht, theoretische und lebensfremde Ideale zu entwickeln, um veraltete Formen zu erhalten oder wiederherzustellen, sondern unser heutiges, modernes und wirkliches Leben zu prüfen, zu vervollkommnen und Prinzipien zu seiner Erneuerung zu erarbeiten. Wir sind bestrebt, ein echtes und wirkkräftiges Zisterzienserleben des 20. Jahrhunderts zu gestalten, das der von Gott an uns konkret ergangenen Berufung folgt. Gott beruft uns nämlich hier und jetzt und er will, dass wir in dieser Zeit und unter diesen Umständen Heilige werden, mit den Möglichkeiten des heutigen Menschen Christus nachfolgen und den Menschen in Liebe dienen.

Unsere Arbeiten müssen sich stets auf die Wahrheit und Wirklichkeit des Lebens stützen. Deshalb wollen wir in dieser Erklärung stets die Tätigkeiten, Möglichkeiten, Bedürfnisse und Aufgaben unserer Ordensmitglieder und unserer Gemeinschaften sowie die der Kirche und der heutigen Welt vor Augen haben.

Dieser Sinn für Realität bedeutet jedoch keineswegs, dass wir die Unvollkommenheiten und Fehler der gegenwärtigen Zeit übernehmen oder gutheißen, als seien wir mit der allgemeinen und gewöhnlichen Realität zufrieden und als wollten wir nicht nach des Höherem streben. Dagegen wehren wir uns mit Recht, weil es dem Wesen Ordenslebens, dem Streben nach einem Leben der vollkommenen Liebe, entgegengesetzt ist. Andererseits wissen wir sehr wohl, dass noch so erhabene Ideale und Vorsätze keinen Wert haben, wenn sie nicht von den Menschen, denen sie vorgestellt werden, frei, ja gern angenommen und wirksam verwirklicht werden können.

Pr 21-38

Textfeld: 23 März
25 Juni
27 Sept.
30 Dez.

G

ürten wir uns also mit Glauben und Treue im Guten, und gehen wir unter der Führung des Evangeliums seine Wege, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat. 22 Wollen wir in seinem Reich und in seinem Zelt wohnen, dann müssen wir durch gute Taten dorthin eilen; anders kommen wir nicht ans Ziel. 23 Fragen wir nun mit dem Propheten den Herrn: "Herr, wer darf wohnen in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?" 24 Hören wir, Brüder, was der Herr auf diese Frage antwortet und wie er uns den Weg zu seinem Zelt weist: 25 "Der makellos lebt und das Rechte tut; 26 der von Herzen die Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht verleumdet; 27 der seinem Freund nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht; 28 der den arglistigen Teufel, der ihm etwas einflüstert, samt seiner Einflüsterung vom Auge seines Herzens wegstößt, ihn zunichte macht, seine Gedankenbrut packt und sie an Christus zerschmettert." 29 Diese Menschen fürchten den Herrn und werden wegen ihrer Treue im Guten nicht überheblich; sie wissen vielmehr, daß das Gute in ihnen nicht durch eigenes Können, sondern durch den Herrn geschieht. 30 Sie lobpreisen den Herrn, der in ihnen wirkt, und sagen mit dem Propheten: "Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinen Namen bring zu Ehren." 31 Auch der Apostel Paulus hat nichts von seiner Verkündigung als Verdienst angesehen, sagt er doch: "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin." 32 Und er sagt auch: "Wer sich rühmen will, der rühme sich im Herrn." 33 Schließlich sagt der Herr im Evangelium: "Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebaut."

35 Nach all diesen Worten erwArtet der Herr, daß wir jeden Tag auf seine göttlichen Mahnungen mit unserem Tun antworten. 36 Deshalb sind uns die Tage des Lebens als Frist gewährt, damit wir uns von unseren Fehlern bessern, 37 wie der Apostel sagt: "Weißt du nicht, daß Gottes Geduld dich zur Umkehr führt?" 38 Denn in seiner Güte sagt der Herr: "Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er umkehrt und lebt."

Declaratio   Art.12

Art. 12 Die Erneuerung unseres Ordenslebens muss das ganze Leben umfassen; daher müssen wir seine wesentlichen Elemente berücksichtigen und jedem Teil die ihm gebührende Gewichtung zuerkennen. Es wäre gänzlich falsch, gewisse Gesichtspunkte unseres Lebens sosehr herauszuheben, als ob allein in ihnen das Wesen des Zisterzienserlebens läge, und andere Bereiche zu vernachlässigen, als ob sie bloße Anhängsel oder sogar Hindernisse des wahren monastischen Lebens wären. Wir sind nämlich in jedem Augenblick, unseres Lebens Zisterzienser und müssen es sein, nicht nur wenn wir zum Gebet zusammenkommen oder die Vorschriften des Gemeinschaftslebens beachten, sondern beim Studium, bei der Arbeit, im priesterlichen Dienst, beim privaten Gebet, beim Dienst an den Menschen und in ähnlichen Aufgaben.

Wir suchen also nach einer Gesamtschau, die alle Bereiche des Lebens zum einen Dienst am Herrn harmonisch vereint. Wenn gewisse Elemente des heutigen Zisterzienserlebens nicht allen Ordensmitgliedern zukommen (z. B. das Priestertum) oder sich nicht auf alle Klöster beziehen (wie Jugenderziehung und Seelsorge), soll man sie doch sorgfältig beachten und ihre Bedeutung und ihr Gewicht ehrlich anerkennen. Elemente des monastischen Lebens, die in der Regel oder in den Anfängen des Zisterzienserordens kaum oder gar nicht vorkommen, sind deshalb nicht als zweitrangig oder verdächtig anzusehen. Das monastische Leben wächst wie alles Lebendige im Lauf der Zeit, entwickelt sich, nimmt viel Neues an und legt nicht wenig Altes ab.

Pr 39-50

Textfeld: 24 März
26 Juni
28 Sept.
31 Dez.

B

rüder, wir haben also den Herrn befragt, wer in seinem Zelt wohnen darf, und die Bedingungen für das Wohnen gehört. Erfüllen wir doch die Pflichten eines Bewohners! 40 Wir müssen unser Herz und unseren Leib zum Kampf rüsten, um den göttlichen Weisungen gehorchen zu können. 41 Für alles, was uns von Natur aus kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten. 42 Wir wollen den Strafen der Hölle entfliehen und zum unvergänglichen Leben gelangen. 43 Noch ist Zeit, noch sind wir in diesem Leib, noch läßt das Licht des Lebens uns Zeit, all das zu erfüllen. 44 Jetzt müssen wir laufen und tun, was uns für die Ewigkeit nützt.

45 Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten. 46 Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen. 47 Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren, 48 dann laß dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng. 49 Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.

50 Darum wollen wir uns seiner Unterweisung niemals entziehen und in seiner Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.

Declaratio   Art.13-14

Art. 13 Die institutionellen Formen, in denen sich heute das reale Zisterzienserleben konkret darstellt, sind die verschiedenen lebendigen Gemeinschaften. Es ist eine Tatsache, dass unsere Gemeinschaften im Lauf der Zeit in verschiedenen Gegenden unterschiedliche Lebensformen und Aufgaben übernommen haben. Diese Verschiedenheit ist an sich nicht als eine üble Fehlentwicklung zu beklagen, sondern sie ist vielmehr anzuerkennen nicht nur als eine unbestreitbare Tatsache, sondern als ein Zeichen der Lebendigkeit und als eine Einladung Gottes zum Handeln. Denn die Werte und die verschiedenen Aufgaben der einzelnen Kongregationen und Klöster können, wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht, durch die Zusammenarbeit der Gemeinschaften dem Wohl und Fortschritt des ganzen Ordens dienen. Einheit in der Vielfalt hat nämlich einen viel größeren Wert als eine erzwungene und uneinige Einförmigkeit. Aus diesem Grund anerkennt und fördert das Generalkapitel die legitime Autonomie der einzelnen Kongregationen und Klöster in der Gestaltung ihrer Lebensform und wird bestrebt sein, sie bei diesen Versuchen zu unterstützen.

Deshalb ist beim Bemühen um Erneuerung von größter Bedeutung, dass die einzelnen Gemeinschaften ihre Ziele und Werte anerkennen, neu überdenken und eine dementsprechende geeignete Lebensform schaffen. Denn die Last der Erneuerungsbemühungen liegt in erster Linie auf den einzelnen Gemeinschaften. Das Generalkapitel will ihnen nur Hilfe leisten, indem es die Erneuerungsbemühungen fördert und koordiniert, aber es kann den Anteil der einzelnen Klöster und Kongregationen an dieser Aufgabe weder unterdrücken noch selbst übernehmen.

Art. 14 Unter den angeführten Aspekten wollen wir unser reales Zisterzienserleben so erneuern, dass es eine natürliche Fortsetzung und gleichsam eine organische Entfaltung der jahrhundertealten monastischen und zisterziensischen Tradition ist. Ohne Zweifel wollen wir - genauso wie früher - die monastischen und zisterziensischen Traditionen kennen lernen und wir haben die Absicht, aus ihnen möglichst viel zu unserem Nutzen und zu unserer Anregung zu schöpfen. Wir wollen uns jedoch bei der Lösung der heutigen Probleme von ihnen keineswegs einengen oder behindern lassen. Es handelt sich ja um Probleme, von denen unsere Vorfahren häufig kaum etwas oder überhaupt nichts wissen konnten, da sich die Lebensumstände so tief greifend geändert haben. Wir dürfen uns bei der Gestaltung unseres Ordenslebens nicht der eigenen Verantwortung entschlagen und auch nicht Angst haben vor neuen Wegen oder Lösungen. Die Geschichte soll uns Lehrmeisterin des Lebens, nicht Beherrscherin sein, sie soll mahnen und anregen, niemals aber hinderlich sein.

Kapitel 1: DIE ARTEN DER MÖNCHE

Textfeld: 25 März
27 Juni
29 Sept.
1   Jan.

W

ir kennen vier Arten von Mönchen. 02 Die erste Art sind die Koinobiten: Sie leben in einer klösterlichen Gemeinschaft und dienen unter Regel und Abt.

03 Die zweite Art sind die Anachoreten, das heißt Einsiedler. Nicht in der ersten Begeisterung für das Mönchsleben, sondern durch Bewährung im klösterlichen Alltag 04 und durch die Hilfe vieler hinreichend geschult, haben sie gelernt, gegen den Teufel zu kämpfen. 05 In der Reihe der Brüder wurden sie gut vorbereitet für den Einzelkampf in der Wüste. Ohne den Beistand eines anderen können sie jetzt zuversichtlich mit eigener Hand 05 und eigenem Arm gegen die Sünden des Fleisches und der Gedanken kämpfen, weil Gott ihnen hilft.

06 Die dritte Art sind die Sarabaiten, eine ganz widerliche Art von Mönchen. Weder durch eine Regel noch in der Schule der Erfahrung wie Gold im Schmelzofen erprobt, sind sie weich wie Blei. 07 In ihren Werken halten sie der Welt immer noch die Treue. Man sieht, daß sie durch ihre Tonsur Gott belügen. 08 Zu zweit oder zu dritt oder auch einzeln, ohne Hirten, sind sie nicht in den Hürden des Herrn, sondern in ihren eigenen eingeschlossen: Gesetz ist ihnen, was ihnen behagt und wonach sie verlangen. 09 Was sie meinen und wünschen, das nennen sie heilig, was sie nicht wollen, das halten sie für unerlaubt.

10 Die vierte Art der Mönche sind die sogenannten Gyrovagen. Ihr Leben lang ziehen sie landauf landab und lassen sich für drei oder vier Tage in verschiedenen Klöstern beherbergen. 11 Immer unterwegs, nie beständig, sind sie Sklaven der Launen ihres Eigenwillens und der Gelüste ihres Gaumens. In allem sind sie noch schlimmer als die Sarabaiten.

12 Besser ist es, über den erbärmlichen Lebenswandel all dieser zu schweigen als zu reden. 13 Lassen wir sie also beiseite, und gehen wir mit Gottes Hilfe daran, der stärksten Art, den Koinobiten, eine Ordnung zu geben.

Declaratio   Art.79-80

Art. 79 Wir folgten unserer Berufung und traten in ein von uns freigewähltes Zisterzienserkloster ein, um in der Schule des Herrendienstes unterwiesen zu werden; mit unserer Profess haben wir sodann die Aufgaben und Lebensideale unseres Klosters freiwillig auf uns genommen. Das monastische Leben wurde uns also nicht auferlegt, sondern wir haben es freiwillig und in freier Hingabe übernommen. Daher bestehen unsere Gemeinschaften aus Freiwilligen, die sich alle über das Ziel, das allen bekannt und von allen gewollt ist, einig sind, sodass wir einmütig in einem Haus wohnen und ein Herz und eine Seele sind.

Art. 80 Die Grundlage der monastischen Gemeinschaft ist daher die freigewollte Hingabe der Mönche, welche die Werte und Dienste ihres Klosters hochschätzen und sich mit ihnen identifizieren. Diese freie Hingabe und freudige Überzeugung sind die treibende Kraft für die Beobachtung der Gesetze und für den Gehorsam; sie sind die Grundlage für die gesamte juridische Struktur. Wenn diese fehlt, kann die monastische Kommunität ebenso wenig wie jede andere freiwillige Vereinigung ihre wahre Lebenskraft beibehalten. Es ist also von größter Bedeutung, dass die Mönche jene Hingabe, mit der sie das monastische Leben freiwillig auf sich genommen haben, lebendig und in Freude erhalten; und jede Ordnung bzw. Organisation des Gemeinschaftslebens soll sich auf dieses freie wollen und Streben beziehen, es fördern und immer neu erwecken.

Kapitel 2: DER ABT

RB 2,1-10

Textfeld: 26 März
28 Juni
30 Sept.
2   Jan.

D

er Abt, der würdig ist, einem Kloster vorzustehen, muß immer bedenken, wie man ihn anredet, und er verwirkliche durch sein Tun, was diese Anrede für einen Oberen bedeutet. 02 Der Glaube sagt ja: Er vertritt im Kloster die Stelle Christi; wird er doch mit dessen Namen angeredet 03 nach dem Wort des Apostels: "Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!" 04 Deshalb darf der Abt nur lehren oder bestimmen und befehlen, was der Weisung des Herrn entspricht. 05 Sein Befehl und seine Lehre sollen wie Sauerteig göttlicher Heilsgerechtigkeit die Herzen seiner Jünger durchdringen. 06 Der Abt denke immer daran, daß in gleicher Weise über seine Lehre und über den Gehorsam seiner Jünger beim erschreckenden Gericht Gottes entschieden wird. 07 So wisse der Abt: Die Schuld trifft den Hirten, wenn der Hausvater an seinen Schafen zu wenig Ertrag feststellen kann. 08 Andererseits gilt ebenso: Hat ein Hirt einer unruhigen und ungehorsamen Herde all seine Aufmerksamkeit geschenkt und ihrem verdorbenen Treiben jede nur mögliche Sorge zugewandt, 09 wird er im Gericht des Herrn freigesprochen. Er darf mit dem Propheten zum Herrn sagen: "Deine Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem Herzen verborgen, ich habe von deiner Treue und Hilfe gesprochen, sie aber haben mich verhöhnt und verachtet." 10 Dann kommt über die Schafe, die sich seiner Hirtensorge im Ungehorsam widersetzt haben, als Strafe der allgewaltige Tod.

Declaratio   Art.94-96

Art. 94 Der Abt ist in erster Linie Seelenhirte, d. h. sein Amt ist vor allem ein geistliches Amt, das auf das Heil der Seelen abzielt. Seine Autorität ist Dienst und hat den Charakter eines demütigen Dienstes gemäß der Lehre und dem Beispiel Christi, dessen Stelle er vertritt. Deshalb geziemt es sich, dass er die väterliche Liebe, mit der Gott der Vater die Mönche liebt, seinen Brüdern gegenüber ausdrückt und zeigt.

Art. 95 Der Abt ist darüber hinaus Vermittler des Gotteswortes, indem er die Aufgabe eines Deuters der göttlichen Schriften in den vielfältigen täglichen Lebensumständen erfüllt. Niemals kann sich der Abt über das Wort Gottes stellen, vielmehr muss er sich ihm immer mehr unterwerfen.

Art. 96 Nicht weniger bedeutsam ist eine weitere Aufgabe, die der Apostel "die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden" (1 Kor 12,10) nennt. Der Abt muss sich daher bemühen zu erkennen, ob der Einzelne seiner Mönche vom Geist Gottes geleitet wird oder sich von rein irdischen Bestrebungen seines eigenen Geistes oder des Geistes der Lüge täuschen lässt. Um aber die Stimme des Heiligen Geistes von jeder anderen unterscheiden zu können, muss er selbst auch in geistlichen Dingen durch Lehre und Erfahrung bewandert sein.

RB 2,11-22

 

Textfeld: 27 März
29 Juni
1    Okt.
3   Jan.

W

er also den Namen "Abt" annimmt, muß seinen Jüngern in zweifacher Weise als Lehrer vorstehen: 12 Er mache alles Gute und Heilige mehr durch sein Leben als durch sein Reden sichtbar. Einsichtigen Jüngern wird er die Gebote des Herrn mit Worten darlegen, hartherzigen aber und einfältigeren wird er die Weisungen Gottes durch sein Beispiel veranschaulichen. 13 In seinem Handeln zeige er, was er seine Jünger lehrt, daß man nicht tun darf, was mit dem Gebot Gottes unvereinbar ist. Sonst würde er anderen predigen und dabei selbst verworfen werden. 14 Gott könnte ihm eines Tages sein Versagen vorwerfen: "Was zählst du meine Gebote auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund? Dabei ist Zucht dir verhaßt, meine Worte wirfst du hinter dich." 15 Auch gilt: "Du sahst im Auge deines Bruders den Splitter, in deinem hast du den Balken nicht bemerkt."

16 Der Abt bevorzuge im Kloster keinen wegen seines Ansehens. 17 Den einen liebe er nicht mehr als den anderen, es sei denn, er finde einen, der eifriger ist in guten Werken und im Gehorsam. 18 Er ziehe nicht den Freigeborenen einem vor, der als Sklave ins Kloster eintritt, wenn es dafür keinen vernünftigen Grund gibt. 19 Der Abt kann aber jede Rangänderung vor nehmen, wenn er es aus Gründen der Gerechtigkeit für gut hält. Sonst sollen die Brüder den Platz einnehmen, der ihnen zukommt. 20 Denn ob Sklave oder Freier, in Christus sind wir alle eins, und unter dem einen Herrn tragen wir die Last des gleichen Dienstes. Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. 21 Nur dann unterscheiden wir uns in seinen Augen, wenn wir in guten Werken und in der Demut eifriger sind als andere. 22 Der Abt soll also alle in gleicher Weise lieben, ein und dieselbe Ordnung lasse er für alle gelten wie es jeder verdient.

Declaratio   Art.97-98

Art. 97 Der Abt ist Mittelpunkt der Einheit der Kommunität, der das Streben der Einzelnen auf die gemeinsamen Ziele hinlenkt und die Bemühungen und Anstrengungen aller koordiniert. Deshalb muss der Abt die Persönlichkeit aller Mitglieder hoch schätzen, verstehen und mit gebührender Achtung behandeln. Die Hauptsorge eines Abtes, der für alle genügend Zeit und stets ein offenes Herz hat, wird der aktive und verantwortliche Gehorsam sein und die herzliche Zusammenarbeit der einzelnen, damit die Begabungen aller im Dienst Gottes fruchtbar werden; er strebe danach, den ehrlichen und offenen Dialog zu fördern; er wird die Mitbrüder teilnehmen lassen an den Sorgen und Plänen, die das Leben des Klosters betreffen, und an allen Angelegenheiten des Hauses; denn es geht ja dabei um ihre Sache. Er wird jedoch auch die Verantwortung, die ihm kraft seines Amtes obliegt, aufsich nehmen, wenn er etwas entscheiden muss, was ihm nach reiflicher Prüfung als der Wille Gottes erscheint.

Art. 98 Da der Abt die Einheit zu fördern hat, soll er alles vermeiden, was auf seine Trennung von den Mitbrüdern; er soll das gemeinschaftliche Leben mit den Brüdern führen und ihnen ein Beispiel der Treue und des Eifers geben; er soll nach Möglichkeit all das, was seine Abwesenheit vom Kloster erfordert, auf ein Mindestmaß beschränken. Auch als Abt bleibt er Mönch und Bruder unter Brüdern. Nur so setzt er sich als Mittelpunkt der Einheit und der Liebe ganz für seine Brüder in der Liebe Christi ein.

RB 2,23-29

Textfeld: 28 März
30 Juni
2   Okt.
4   Jan.

W

enn der Abt lehrt, halte er sich immer an das Beispiel des Apostels, der sagt: "Tadle, ermutige, weise streng zurecht." Das bedeutet für ihn: 24 Er lasse sich vom Gespür für den rechten Augenblick leiten und verbinde Strenge mit gutem Zureden. Er zeige den entschlossenen Ernst des Meisters und die liebevolle Güte des Vaters. 25 Härter tadeln muß er solche, die keine Zucht kennen und keine Ruhe geben; zum Fortschritt im Guten ermutige er alle, die gehorsam, willig und geduldig sind; streng zurechtweisen und bestrafen soll er jene, die nachlässig und wider spenstig sind.

26 Auf keinen Fall darf er darüber hinwegsehen, wenn sich jemand verfehlt; vielmehr schneide er die Sünden schon beim Entstehen mit der Wurzel aus, so gut er kann. Er soll daran denken, daß ihm sonst das Schicksal des Priesters Heli von Schilo droht. 27 Rechtschaffene und Einsichtige weise er einmal und ein zweites Mal mit mahnenden Worten zurecht. 28 Boshafte aber, Hartherzige, Stolze und Ungehorsame soll er beim ersten Anzeichen eines Vergehens durch Schläge und körperliche Züchtigung im Zaum halten. Er kennt doch das Wort der Schrift: "Ein Tor läßt sich durch Worte nicht bessern." 29 Und auch dieses: "Schlage deinen Sohn mit der Rute, so rettest du sein Leben vor dem Tod."

Declaratio   Art.115

Art. 115 . Der Abtpräses leitet die Kongregation im Sinn des Kongregationskapitels und ist Zeichen der brüderlichen Einheit, in der die Klöster untereinander verbunden sind. Sein Dienst hat zum Ziel, das monastische Leben in den klösterlichen Familien gemäß den Konstitutionen zu fördern, zu stärken und zu steigern.

Es ist seine Aufgabe, zum Wohl der ganzen Kongregation die Beziehungen zwischen den einzelnen Klöstern zu pflegen. Bei diesem Anliegen sollen die Äbte und die Mönche der einzelnen Klöster dem Abtpräses dadurch helfen, dass sie untereinander brüderliche Beziehungen pflegen, gerne einander aufnehmen, bei den Studien zusammenarbeiten, zu geistlichen Vorträgen und zu Konferenzen in administrativen Angelegenheiten zusammenkommen und sich von Tag zu Tag besser kennen zu lernen und zu schätzen bestrebt sind.

RB 2,30-40

Textfeld: 29 März
1   Juli
3   Okt.
5   Jan.

D

er Abt muß bedenken, was er ist, und bedenken, wie man ihn anredet. Er wisse: Wem mehr anvertraut ist, von dem wird mehr verlangt. 31 Er muß wissen, welch schwierige und mühevolle Aufgabe er auf sich nimmt: Menschen zu führen und der Eigenart vieler zu dienen. Muß er doch dem einen mit gewinnenden, dem anderen mit tadelnden, dem dritten mit überzeugenden Worten begegnen. 32 Nach der Eigenart und Fassungskraft jedes einzelnen soll er sich auf alle einstellen und auf sie eingehen. So wird er an der ihm anvertrauten Herde keinen Schaden erleiden, vielmehr kann er sich am Wachsen einer guten Herde freuen.

33 Vor allem darf er über das Heil der ihm Anvertrauten nicht hinwegsehen oder es geringschätzen und sich größere Sorge machen um vergängliche, irdische und hinfällige Dinge. 34 Stets denke er daran: Er hat die Aufgabe übernommen, Menschen zu führen, für die er einmal Rechenschaft ablegen muß. 35 Wegen des vielleicht allzu geringen Klostervermögens soll er sich nicht beunruhigen; vielmehr bedenke er das Wort der Schrift: "Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben." 36 Ein anderes Schriftwort sagt: "Wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel." 37 Der Abt muß wissen: Wer es auf sich nimmt, Menschen zu führen, muß sich bereithalten, Rechenschaft abzulegen. 38 Er sei sich darüber ganz im klaren: Wie groß auch die Zahl der Brüder sein mag, für die er Verantwortung trägt, am Tag des Gerichtes muß er für sie alle dem Herrn Rechenschaft ablegen, dazu ohne Zweifel auch für sich selbst. 39 Immer in Furcht vor der bevorstehenden Untersuchung des Hirten über die ihm anvertrauten Schafe, sorgt er für seine eigene Rechenschaft, wenn er sich um die anderen kümmert. 40 Wenn er mit seinen Ermahnungen anderen zur Besserung verhilft, wird er selbst von seinen Fehlern geläutert.

Declaratio   Art.123

Art. 123 Der Generalabt wird vom Generalkapitel gewählt; er leitet den Orden im Sinn des Generalkapitels und nach den Normen der Konstitutionen und fördert die Ziele unserer Vereinigung.

Der Generalabt hat folgende Aufgaben:

a - Er ist Förderer und Mittelpunkt der brüderlichen Einheit im Orden, vor allem dadurch, dass er bereit ist, der Eigenart vieler zu dienen und allen Kommunitäten des Ordens gerechte und unparteiische Zuneigung entgegenzubringen, sie zu fördern und zu vertreten. Er macht sich die Werte und gemeinsamen Ideale des Ordens in seinem persönlichen Tun und im offiziellen Handeln zu Eigen. Erfühlt mit dem Orden, wie er sich tatsächlich in unseren Kommunitäten verwirklicht, und nimmt mit offenem Herzen ihre Sorgen, Bestrebungen und Meinungen wahr.

b - Er ist Förderer und Koordinator bei Projekten und gemeinsamen Plänen, die zwar die Kräfte einzelner Kommunitäten oder Kongregationen übersteigen, aber allen oder vielen von Nutzen sind. Er nimmt aktiven Anteil an der Entwicklung oder Ausarbeitung solcher Projekte, erweckt die Initiative der anderen und treibt schließlich ihre Ausführung mit Rat und Tat voran.

c - Er setzt seine in den Konstitutionen festgelegte Autorität im Dienst an allen ein; er ist Vater, ja sogar Bruder unter Brüdern im Geist Christi und ist mehr bestrebt zu helfen als vorzustehen. In seinen Rundschreiben, Ansprachen und anderen Mitteilungen an den Orden spricht er im Geist eines Mitbruders, Mitschülers und Mitknechtes des Herrn und sucht zusammen mit den übrigen Brüdern die Wahrheit und den Willen Gottes. Selbst erfüllt, überzeugt und begeistert von dem Wert der Ordensberufung, strebt er danach, den Mitbrüdern bzw. Kommunitäten neue Perspektiven und Möglichkeiten zu zeigen und ihnen Hoffnung auf die Zukunft zu geben.

Kapitel 3: DIE EINBERUNFUNG DER BRÜDER ZUM RAT

Textfeld: 30 März
2   Juli
4   Okt.
6   Jan.

S

ooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht. 02 Er soll den Rat der Brüder anhören und dann mit sich selbst zu Rate gehen. Was er für zuträglicher hält, das tue er. 03 Daß aber alle zur Beratung zu rufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist. 04 Die Brüder sollen jedoch in aller Demut und Unterordnung ihren Rat geben. Sie sollen nicht anmaßend und hartnäckig ihre eigenen Ansichten verteidigen. 05 Vielmehr liegt die Entscheidung im Ermessen des Abtes: Was er für heilsamer hält, darin sollen ihm alle gehorchen. 06 Wie es jedoch den Jüngern zukommt, dem Meister zu gehorchen, muß er seinerseits alles vorausschauend und gerecht ordnen.

07 Alle sollen in allem der Regel als Lehrmeisterin folgen, und niemand darf leichtfertig von ihrer Weisung abweichen. 08 Keiner darf im Kloster dem Willen seines eigenen Herzens folgen. 09 Niemand maße sich an, mit seinem Abt unverschämt oder gar außerhalb des Klosters zu streiten. 10 Geht aber einer in seiner Anmaßung so weit, dann treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe. 11 Der Abt allerdings muß seine Anordnungen immer in Gottesfurcht treffen und sich dabei an die Regel halten. Er muß wissen, daß er sich ohne Zweifel für all seine Entscheidungen vor Gott, dem gerechten Richter, zu verantworten hat.

12 Wenn weniger wichtige Angelegenheiten des Klosters zu behandeln sind, soll er nur die Älteren um Rat fragen, 13 lesen wir doch in der Schrift: "Tu alles mit Rat, dann brauchst du nach der Tat nichts zu bereuen."

Declaratio   Art.102-107

Art. 102 Wenn immer es sich um schwerwiegende Angelegenheiten des Klosters handelt, in erster Linie in den Fällen, die in den Konstitutionen der Kongregationen und im allgemeinen Kirchenrecht vorgeschrieben sind, nimmt das Konventkapitel an der Leitung des Klosters teil. In einem echt kollegialen Akt findet dort die Abtwahl statt, auf kollegiale Weise werden Entscheidungen über den Tätigkeitsbereich des Klosters, die Zulassung und Bildung neuer Mitglieder und die Verwaltung der zeitlichen Güter getroffen.

Art. 103 Doch die Aufgabe des Kapitels darf nicht bloß auf die Fälle beschränkt werden, in denen die Kapitulare auf Grund des allgemeinen oder besonderen Rechtes ihr entscheidendes bzw. beratendes Stimmrecht ausüben sollen; die Mitglieder sollen häufiger zum Gespräch zusammenkommen, zu einem wirklich brüderlichen Dialog, damit die teilnehmende Mitsorge der Mitbrüder am Wohl des Klosters wirksam ausgeübt werden kann. Darum soll das Konventkapitel auch das Informationsforum sein über Angelegenheiten des Klosters, der Kongregation und des Ordens, und wodie Offizialen übererfüIIte Aufgaben und Fachleute über aktuelle Fragen Bericht erstatten.

Art. 104 Die im Kapitel zu behandelnden Fragen sollen unter Mitwirkung des zahlenmäßig kleineren Abtrates ausgewählt werden, wobei auf die Wünsche und Probleme, die von den Mitbrüdern vorgebracht werden, zu achten ist. Die Tagesordnungs punkte sollen rechtzeitig und in geeigneter Weise dem Konvent bekannt gegeben werden, sodass für das Studium und das Überdenken der Fragen genügend Zeit bleibt. In bestimmten Angelegenheiten ist es günstiger, wenn die Antworten schriftlich gegeben werden. Die Verpflichtung zum Kapitelgeheimnis soll auf jene Fälle beschränkt werden, die absolute Diskretion verlangen; allerdings sollen die Mitbrüder dort, wo es sich um Angelegenheiten der klösterlichen Familie handelt, nach außen höchste Diskretion wahren.

Art. 105 In den einzelnen Kommunitäten sollen darüber hinaus geeignete Mittel vorgesehen werden, mit deren Hilfe alle, auch jene, die außerhalb des Hauses weilen, über die Angelegenheiten des Klosters, der Kongregation und des Ordens laufend, rechtzeitig und genau informiert werden.

Art. 106 Der Abtrat, der zahlenmäßig geringer ist und oft Seniorenrat genannt wird, soll dann einberufen werden, wenn es die Notwendigkeit oder der Nutzen der Klosterfamilie verlangt, und in Angelegenheiten, die Geheimhaltung verlangen. Die Hälfte des Abtrates pflegt der Konvent zu wählen, den Rest ernennt der Abt.

Art. 107 Durch die Verwirklichung dieser Prinzipien und Ratschläge können unsere Kommunitäten neu gekräftigt werden und Familien sein, die im Haus des Herrn in Liebe wohnen; die wohl geordnete Reihe der Brüder wird sich fester Einheit erfreuen, wo der Einzelne durch die Erfüllung seiner Aufgabe allen dient und wo er von allen gestärkt wird.

Kapitel 4: DIE WERKZEUGE DER GEISTLICHEN KUNST

Textfeld: 31 März
3   Juli
5   Okt.
7   Jan.

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or allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. 02 Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.

03 Dann: nicht töten. 04 Nicht die Ehe brechen. 05 Nicht stehlen. 06 Nicht begehren. 07 Nicht falsch aussagen. 08 Alle Menschen ehren. 09 Und keinem anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte.

10 Sich selbst verleugnen, um Christus zu folgen. 11 Den Leib in Zucht nehmen. 12 Sich Genüssen nicht hingeben. 13 Das Fasten lieben.

14 Arme bewirten. 15 Nackte bekleiden. 16 Kranke besuchen. 17 Tote begraben. 18 Bedrängten zu Hilfe kommen. 19 Trauernde trösten.

20 Sich dem Treiben der Welt entziehen. 21 Der Liebe zu Christus nichts vorziehen. 22 Den Zorn nicht zur Tat werden lassen. 23 Der Rachsucht nicht einen Augenblick nachgeben. 24 Keine Arglist im Herzen tragen. 25 Nicht unaufrichtig Frieden schließen. 26 Von der Liebe nicht lassen. 27 Nicht schwören, um nicht falsch zu schwören. 28 Die Wahrheit Herz und Mund bekennen. Nicht Böses mit Bösem vergelten. 30 Nicht Unrecht tun, vielmehr erlittenes geduldig ertragen. 31 Die Feinde lieben. 32 Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern mehr noch sie segnen. 33 Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen.

34 Nicht stolz sein, 35 nicht trunksüchtig, 36 nicht gefräßig, 37 nicht schlafsüchtig, 38 nicht faul sein. 39 Nicht murren. 40 Nicht verleumden.

41 Seine Hoffnung Gott anvertrauen. 42 Sieht man Gutes bei sich, es Gott zuschreiben, nicht sich selbst. 43 Das Böse aber immer als eigenes Werk erkennen, sich selbst zuschreiben.

44 Den Tag des Gerichtes fürchten. 45 Vor der Hölle erschrecken. 46 Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen. 47 Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben. 48 Das eigene Tun und Lassen jederzeit überwachen. 49 Fest überzeugt sein, daß Gott überall auf uns schaut. 50 Böse Gedanken, die sich in unser Herz einschleichen, sofort an Christus zerschmettern und dem geistlichen Vater eröffnen.

51 Seinen Mund vor bösem und verkehrtem Reden hüten. 52 Das viele Reden nicht lieben. 53 Leer oder zum Gelächter reizende Worte meiden. 54 Häufiges oder ungezügeltes Gelächter nicht lieben. 55 Heilige Lesungen gern hören. 56 Sich oft zum Beten niederwerfen. 57 Seine früheren Sünden unter Tränen und Seufzen täglich im Gebet Gott bekennen; 58 und sich von allem Bösen künftig bessern.

59 Die Begierden des Fleisches nicht befriedigen. 60 Den Eigenwillen hassen. 61 Den Anweisungen des Abtes in allem gehorchen, auch wenn er selbst, was ferne sei, anders handelt; man denke an die Weisung des Herrn: "Was sie sagen, das tut; was sie aber tun, das tut nicht."

62 Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist, sondern es erst sein, um mit Recht so genannt zu werden. 63 Gottes Weisungen täglich durch die Tat erfüllen. 64 Die Keuschheit lieben. 65 Niemand hassen. 66 Nicht eifersüchtig sein. 67 Nicht aus Neid handeln. 68 Streit nicht lieben. 69 Überheblichkeit fliehen.

70 Die Älteren ehren, 71 die Jüngeren lieben. 72 In der Liebe Christi für die Feinde beten. 73 Nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückkehren. 74 Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.

75 Das sind also die Werkzeuge der geistlichen Kunst. 76 Wenn wir sie Tag und Nacht unaufhörlich gebrauchen und sie am Tag des Gerichts zurückgeben, werden wir vom Herrn jenen Lohn empfangen, den er selbst versprochen hat: 77 "Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben." 78 Die Werkstatt aber, in der wir das alles sorgfältig verwirklichen sollen, ist der Bereich des Klosters und die Beständigkeit in der Gemeinschaft.

Declaratio   Art.46-47

Art. 46 . Gott beruft uns nicht nur zu dem oben dargelegten Ziel, sondern auch dazu, dass wir die von ihm für uns bestimmten Mittel anwenden; dazu gehören vor allem die evangelischen Räte, das Leben in der zisterziensischen Gemeinschaft, das Gebet, die Liebe zum Kreuz und der Dienst, den wir der menschlichen Gesellschaft durch unsere Arbeit leisten.

Art. 47 Um Christus, unserem Lehrer, als Schüler in besonderer Weise nachzufolgen, nehmen wir die evangelischen Räte auf uns. So wollen wir uns immer mehr mit ihm vereinen und ihm auf dem Weg klösterlichen Lebenswandels immer enger und inniger folgen.

Kapitel 5: DER GEHORSAM

Textfeld: 1    April
4   Juli
6   Okt.
8   Jan.

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er erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern. 02 Er ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht. 03 Wegen des heiligen Dienstes, den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der Hölle und wegen der Herrlichkeit des ewigen Lebens 04 darf es für sie nach einem Befehl des Oberen kein Zögern geben, sondern sie erfüllen den Auftrag sofort, als käme er von Gott. 05 Von ihnen sagt der Herr: "Aufs erste Hören hin gehorcht er mir." 06 Und ebenso sagt er den Lehrern: "Wer euch hört, hört mich." 07 Daher verlassen Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf. 08 Sogleich legen sie unvollendet aus der Hand, womit sie eben beschäftigt waren. Schnellen Fußes folgen sie gehorsam dem Ruf des Befehlenden mit der Tat. 09 Mit der Schnelligkeit, die aus der Gottesfurcht kommt, geschieht beides rasch wie in einem Augenblick: der ergangene Befehl des Meisters und das voll brachte Werk des Jüngers. 10 So drängt sie die Liebe, zum ewigen Leben voranzuschreiten. 11 Deshalb schlagen sie entschlossen den engen Weg ein, von dem der Herr sagt: "Eng ist der Weg, der zum Leben führt." 12 Sie leben nicht nach eigenem Gutdünken, gehorchen nicht ihren eigenen Gelüsten und Begierden, sondern gehen ihren Weg nach der Entscheidung und dem Befehl eines anderen 12 Sie bleiben im Kloster und haben das Verlangen, daß ein Abt ihnen vorstehe. 13 Ohne Zweifel folgen sie auf diesem Weg dem Herrn nach, der sagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat."

14 Ein Gehorsam dieser Art ist nur dann Gott angenehm und für die Menschen beglückend, wenn der Befehl nicht zaghaft, nicht saumselig, nicht lustlos oder gar mit Murren und Widerrede ausgeführt wird. 15 Denn der Gehorsam, den man den Oberen leistet, wird Gott erwiesen; sagt er doch: "Wer euch hört, hört mich." 16 Die Jünger müssen ihn mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. 17 Wenn aber der Jünger verdrossen gehorcht, also nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit dem Herzen murrt, 18 so findet er, selbst wenn er den Befehl ausführt, doch kein Gefallen bei Gott, der das Murren seines Herzens wahrnimmt. 19 Für solches Tun empfängt er keinen Lohn, sondern verfällt der Strafe der Murrer, wenn er nicht Buße tut und sich bessert.

Declaratio   Art.52-53

Art. 52 Gehorsam bedeutet vor allem ein offenes Herz, das die Anregungen des Heiligen Geistes aufnimmt, denn dieser weht, wo er will, und gibt uns auf vielfache Weise den Willen Gottes kund. Und wie es die Speise Christi war, den willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat, indem er Knechtsgestalt annnahm und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz, so müssen auch wir, die wir Christus enger nachfolgen wollen, den Willen des Vaters erforschen, damit wir ihn mit bereitem Herzen erfüllen können.

Zu meist wird uns die Stimme Gottes durch die Stimme der Kirche übermittelt, in der Lehre und den Weisungen des Papstes, des Heiligen Stuhles, der Bischöfe und des Abtes, die nicht nur äußere Dinge regeln sollen, sondern auch unsere Spiritualität formen müssen.

Art. 53 Deshalb verlangen die Mönche, die im Geist des Glaubens und der Liebe den Willen Gottes zu erfüllen trachten, dass ihnen ein Abt vorsteht, der für sie die Stelle Christi vertritt; ihm leisten sie nach der Weisung der Regel und der Konstitutionen demütigen Gehorsam, indem sie die Kräfte des Verstandes und des Willens und die von Gott geschenkten Talente bei der Ausführung der Vorschriften und der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben einsetzen, weil sie wissen, dass sie nach dem Willen Gottes am Aufbau des Leibes Christi mitwirken. So gesehen mindert der Ordensgehorsam keineswegs die Würde der menschlichen Person, sondern führt sie, bereichert durch die Freiheit der Kinder Gottes, zur Reife.

Kapitel 6: DIE SCHWEIGSAMKEIT

Textfeld: 2 April
5 Juli
7 Okt.
9 Jan.

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un wir, was der Prophet sagt: "Ich sprach, ich will auf meine Wege achten, damit ich mich mit meiner Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache vor meinen Mund, ich verstummte, demütigte mich und schwieg sogar vom Guten." 02 Hier zeigt der Prophet: Man soll der Schweigsamkeit zuliebe bisweilen sogar auf gute Gespräche verzichten. Um so mehr müssen wir wegen der Bestrafung der Sünde von bösen Worten lassen.

03 Mag es sich also um noch so gute, heilige und aufbauende Gespräche handeln, vollkommenen Jüngern werde nur selten das Reden erlaubt wegen der Bedeutung der Schweigsamkeit. 04 Steht doch geschrieben: "Beim vielen Reden wirst du der Sünde nicht entgehen", 05 und an anderer Stelle: "Tod und Leben stehen in der Macht der Zunge." 06 Denn Reden und Lehren kommen dem Meister zu, Schweigen und Hören dem Jünger.

07 Muß man den Oberen um etwas bitten, soll es in aller Demut und ehrfürchtiger Unterordnung erbeten werden. 08 Albernheiten aber, müßiges und zum Gelächter reizendes Geschwätz verbannen und verbieten wir für immer und überall. Wir gestatten nicht, daß der Jünger zu solchem Gerede den Mund öffne.

Declaratio   Art.48-49

Art. 48 . Die freiwillige Keuschheit, den wir freiwillig um des Gottesreiches willen auf uns nehmen, ist nicht ein bloßer Verzicht auf die Ehe und die Freuden der natürlichen Familie, sondern muss uns frei machen, damit wir uns mit allen körperlichen und seelischen Kräften um die Belange Gottes und der Kirche sorgen können. Durch die Ordensprofess wollen wir auf direktere und eindringlichere Weise Zeugnisablegen für die christliche Hoffnung auf die kommende Welt, in der die Menschen weder heiraten noch geheiratet werden. Von da her ist die Keuschheit auch ein wichtiges eschatologisches Zeichen unseres Lebens.

Art. 49 Diese vollständige Selbsthingabe an Gott muss die Grundlage für den Aufbau der klösterlichen Familie abgeben. In dieser Familie Gottes begründen die gemeinsame Liebe und die gl