DIE BENEDIKTUSREGEL

mit einer Konkordanz
der Artikel der Declaratio
Die Benediktusregel, herausgegeben im Auftrag der
Salzburger Äbtekonferenz, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2 1996.
Das Zistersienserlebens heute : Declaratio
des Generalkapitels 2000 über die wesentlichen Elemente des Zisterzienserlebens
heute [Cap. Gen.2000 (ACG
44(2000),)-43].
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öre,
mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den
Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! 02 So
kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die Trägheit
des Ungehorsams verlassen hast. 03 An dich also richte ich jetzt mein Wort, wer
immer du bist, wenn du nur dem Eigenwillen widersagst, für Christus, den Herrn
und wahren König, kämpfen willst und den starken und glänzenden Schild des
Gehorsams ergreifst. 04 Vor allem: wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn
beharrlich im Gebet, er möge es vollenden. 05 Dann muß er, der uns jetzt zu
seinen Söhnen zählt, einst nicht über unser böses Tun traurig sein. 06 Weil er
Gutes in uns wirkt, müssen wir ihm jederzeit gehorchen; dann wird er uns einst
nicht enterben wie ein erzürnter Vater seine Söhne; 07 er wird auch nicht wie
ein furchterregender Herr über unsere Bosheit ergrimmt sein und uns wie verkommene
Knechte der ewigen Strafe preisgeben, da wir ihm in die Herrlichkeit nicht
folgen wollten.
Art. 1. Wir, die Mitglieder des Generalkapitels, haben uns
zur zeitgemäßen Erneuerung unseres Ordens versammelt. Nach reiflicher
Überlegung, nach Einholung von Ratschlägen, haben wir beschlossen, vor allem
die wesentlichen Elemente unserer Berufung und unseres Lebens darzulegen, umso
gewissermaßen die Grundlage für das gesamte Werk der Erneuerung zu schaffen.
Daher wollen wir in dieser Erklärung ehrlich und aufrichtig darstellen,
was wir uns bei der zeitgemäßen Erneuerung vornehmen, welche Ziele wir
verfolgen und wie wir sie erreichen wollen.
Art. 2 Mit unserer Erklärung wollen wir keineswegs weitere Überlegungen
oder neue Lösungen ausschließen; denn auch kommende Zisterziensergenerationen
werden das Recht und die Pflicht haben, geeignetere und bessere Formen des
monastischen Lebens zu suchen, nicht weniger als die Gründer von Cîteaux im 12.
Jahrhundert oder die ihnen folgenden Generationen. Nur dann folgen wir in
Wahrheit den Gründungsvätern des Novum monasterium, wenn wir nicht aufhören,
Wege und Möglichkeiten zu suchen, wie wir unsere Berufung immer vollkommener
nach dem Willen Gottes leben können.
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tehen
wir also endlich einmal auf! Die Schrift rüttelt uns wach und ruft: "Die
Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen." 09 Öffnen wir unsere Augen dem
göttlichen Licht und hören wir mit aufgeschrecktem Ohr, wozu uns die Stimme
Gottes täglich mahnt und aufruft: 10 "Heute, wenn ihr seine Stimme hört,
verhärtet eure Herzen nicht!" 11 Und wiederum: "Wer Ohren hat zu
hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!"
12 Und
was sagt er? "Kommt, ihr Söhne, hört auf mich! Die Furcht des Herrn will
ich euch lehren. 13 Lauft, solange ihr das Licht des Lebens habt, damit die
Schatten des Todes euch nicht überwältigen." 14 Und der Herr sucht in der
Volksmenge, der er dies zuruft, einen Arbeiter für sich und sagt wieder: 15
"Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen
wünscht?" 16 Wenn du das hörst und antwortest: "Ich", dann sagt
Gott zu dir: 17 "Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine
Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute;
suche Frieden und jage ihm nach! 18 Wenn ihr das tut, blicken meine Augen auf
euch, und meine Ohren hören auf eure Gebete; und noch bevor ihr zu mir ruft,
sage ich euch: Seht, ich bin da." 19 Liebe Brüder, was kann beglückender
für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt? 20 Seht, in seiner
Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens (Rm 13,11).
Art. 11 Wir haben nicht die Absicht, theoretische und lebensfremde
Ideale zu entwickeln, um veraltete Formen zu erhalten oder wiederherzustellen,
sondern unser heutiges, modernes und wirkliches Leben zu prüfen, zu vervollkommnen
und Prinzipien zu seiner Erneuerung zu erarbeiten. Wir sind bestrebt, ein
echtes und wirkkräftiges Zisterzienserleben des 20. Jahrhunderts zu gestalten,
das der von Gott an uns konkret ergangenen Berufung folgt. Gott beruft uns
nämlich hier und jetzt und er will, dass wir in dieser Zeit und unter diesen
Umständen Heilige werden, mit den Möglichkeiten des heutigen Menschen Christus
nachfolgen und den Menschen in Liebe dienen.
Unsere Arbeiten müssen sich stets auf die Wahrheit und Wirklichkeit
des Lebens stützen. Deshalb wollen wir in dieser Erklärung stets die
Tätigkeiten, Möglichkeiten, Bedürfnisse und Aufgaben unserer Ordensmitglieder
und unserer Gemeinschaften sowie die der Kirche und der heutigen Welt vor Augen
haben.
Dieser Sinn für Realität
bedeutet jedoch keineswegs, dass wir die Unvollkommenheiten und Fehler der
gegenwärtigen Zeit übernehmen oder gutheißen, als seien wir mit der allgemeinen
und gewöhnlichen Realität zufrieden und als wollten wir nicht nach des Höherem
streben. Dagegen wehren wir uns mit Recht, weil es dem Wesen Ordenslebens, dem
Streben nach einem Leben der vollkommenen Liebe, entgegengesetzt ist.
Andererseits wissen wir sehr wohl, dass noch so erhabene Ideale und Vorsätze
keinen Wert haben, wenn sie nicht von den Menschen, denen sie vorgestellt
werden, frei, ja gern angenommen und wirksam verwirklicht werden können.
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ürten
wir uns also mit Glauben und Treue im Guten, und gehen wir unter der Führung
des Evangeliums seine Wege, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich
gerufen hat. 22 Wollen wir in seinem Reich und in seinem Zelt wohnen, dann
müssen wir durch gute Taten dorthin eilen; anders kommen wir nicht ans Ziel. 23
Fragen wir nun mit dem Propheten den Herrn: "Herr, wer darf wohnen in
deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?" 24 Hören wir,
Brüder, was der Herr auf diese Frage antwortet und wie er uns den Weg zu seinem
Zelt weist: 25 "Der makellos lebt und das Rechte tut; 26 der von Herzen
die Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht verleumdet; 27 der seinem Freund
nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht; 28 der den arglistigen
Teufel, der ihm etwas einflüstert, samt seiner Einflüsterung vom Auge seines
Herzens wegstößt, ihn zunichte macht, seine Gedankenbrut packt und sie an
Christus zerschmettert." 29 Diese Menschen fürchten den Herrn und werden
wegen ihrer Treue im Guten nicht überheblich; sie wissen vielmehr, daß das Gute
in ihnen nicht durch eigenes Können, sondern durch den Herrn geschieht. 30 Sie
lobpreisen den Herrn, der in ihnen wirkt, und sagen mit dem Propheten:
"Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinen Namen bring zu Ehren."
31 Auch der Apostel Paulus hat nichts von seiner Verkündigung als Verdienst angesehen,
sagt er doch: "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin." 32 Und er
sagt auch: "Wer sich rühmen will, der rühme sich im Herrn." 33 Schließlich
sagt der Herr im Evangelium: "Wer diese meine Worte hört und danach
handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebaut."
35 Nach
all diesen Worten erwArtet der Herr, daß wir jeden Tag auf seine göttlichen
Mahnungen mit unserem Tun antworten. 36 Deshalb sind uns die Tage des Lebens
als Frist gewährt, damit wir uns von unseren Fehlern bessern, 37 wie der
Apostel sagt: "Weißt du nicht, daß Gottes Geduld dich zur Umkehr
führt?" 38 Denn in seiner Güte sagt der Herr: "Ich will nicht den Tod
des Sünders, sondern daß er umkehrt und lebt."
Art. 12 Die Erneuerung
unseres Ordenslebens muss das ganze Leben umfassen; daher müssen wir seine
wesentlichen Elemente berücksichtigen und jedem Teil die ihm gebührende
Gewichtung zuerkennen. Es wäre gänzlich falsch, gewisse Gesichtspunkte unseres
Lebens sosehr herauszuheben, als ob allein in ihnen das Wesen des
Zisterzienserlebens läge, und andere Bereiche zu vernachlässigen, als ob sie
bloße Anhängsel oder sogar Hindernisse des wahren monastischen Lebens wären.
Wir sind nämlich in jedem Augenblick, unseres Lebens Zisterzienser und müssen
es sein, nicht nur wenn wir zum Gebet zusammenkommen oder die Vorschriften des
Gemeinschaftslebens beachten, sondern beim Studium, bei der Arbeit, im
priesterlichen Dienst, beim privaten Gebet, beim Dienst an den Menschen und in
ähnlichen Aufgaben.
Wir suchen also nach einer
Gesamtschau, die alle Bereiche des Lebens zum einen Dienst am Herrn harmonisch
vereint. Wenn gewisse Elemente des heutigen Zisterzienserlebens nicht allen
Ordensmitgliedern zukommen (z. B. das Priestertum) oder sich nicht auf alle
Klöster beziehen (wie Jugenderziehung und Seelsorge), soll man sie doch sorgfältig
beachten und ihre Bedeutung und ihr Gewicht ehrlich anerkennen. Elemente des
monastischen Lebens, die in der Regel oder in den Anfängen des
Zisterzienserordens kaum oder gar nicht vorkommen, sind deshalb nicht als
zweitrangig oder verdächtig anzusehen. Das monastische Leben wächst wie alles
Lebendige im Lauf der Zeit, entwickelt sich, nimmt viel Neues an und legt nicht
wenig Altes ab.
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rüder,
wir haben also den Herrn befragt, wer in seinem Zelt wohnen darf, und die Bedingungen
für das Wohnen gehört. Erfüllen wir doch die Pflichten eines Bewohners! 40 Wir
müssen unser Herz und unseren Leib zum Kampf rüsten, um den göttlichen Weisungen
gehorchen zu können. 41 Für alles, was uns von Natur aus kaum möglich ist,
sollen wir die Gnade und Hilfe des Herrn erbitten. 42 Wir wollen den Strafen
der Hölle entfliehen und zum unvergänglichen Leben gelangen. 43 Noch ist Zeit,
noch sind wir in diesem Leib, noch läßt das Licht des Lebens uns Zeit, all das
zu erfüllen. 44 Jetzt müssen wir laufen und tun, was uns für die Ewigkeit
nützt.
45 Wir
wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn einrichten. 46 Bei dieser
Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen. 47 Sollte
es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern
und die Liebe zu bewahren, 48 dann laß dich nicht sofort von Angst verwirren
und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng.
49 Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das
Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote
Gottes.
50 Darum wollen wir uns
seiner Unterweisung niemals entziehen und in seiner Lehre im Kloster ausharren
bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann
dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.
Art. 13 Die institutionellen
Formen, in denen sich heute das reale Zisterzienserleben konkret darstellt, sind
die verschiedenen lebendigen Gemeinschaften. Es ist eine Tatsache, dass unsere
Gemeinschaften im Lauf der Zeit in verschiedenen Gegenden unterschiedliche
Lebensformen und Aufgaben übernommen haben. Diese Verschiedenheit ist an sich
nicht als eine üble Fehlentwicklung zu beklagen, sondern sie ist vielmehr
anzuerkennen nicht nur als eine unbestreitbare Tatsache, sondern als ein
Zeichen der Lebendigkeit und als eine Einladung Gottes zum Handeln. Denn die
Werte und die verschiedenen Aufgaben der einzelnen Kongregationen und Klöster
können, wenn gegenseitiges Vertrauen herrscht, durch die Zusammenarbeit der
Gemeinschaften dem Wohl und Fortschritt des ganzen Ordens dienen. Einheit in
der Vielfalt hat nämlich einen viel größeren Wert als eine erzwungene und uneinige
Einförmigkeit. Aus diesem Grund anerkennt und fördert das Generalkapitel die
legitime Autonomie der einzelnen Kongregationen und Klöster in der Gestaltung
ihrer Lebensform und wird bestrebt sein, sie bei diesen Versuchen zu
unterstützen.
Deshalb ist beim Bemühen um
Erneuerung von größter Bedeutung, dass die einzelnen Gemeinschaften ihre Ziele
und Werte anerkennen, neu überdenken und eine dementsprechende geeignete Lebensform
schaffen. Denn die Last der Erneuerungsbemühungen liegt in erster Linie auf den
einzelnen Gemeinschaften. Das Generalkapitel will ihnen nur Hilfe leisten,
indem es die Erneuerungsbemühungen fördert und koordiniert, aber es kann den
Anteil der einzelnen Klöster und Kongregationen an dieser Aufgabe weder
unterdrücken noch selbst übernehmen.
Art. 14 Unter den angeführten
Aspekten wollen wir unser reales Zisterzienserleben so erneuern, dass es eine
natürliche Fortsetzung und gleichsam eine organische Entfaltung der
jahrhundertealten monastischen und zisterziensischen Tradition ist. Ohne
Zweifel wollen wir - genauso wie früher - die monastischen und zisterziensischen
Traditionen kennen lernen und wir haben die Absicht, aus ihnen möglichst viel
zu unserem Nutzen und zu unserer Anregung zu schöpfen. Wir wollen uns jedoch
bei der Lösung der heutigen Probleme von ihnen keineswegs einengen oder behindern
lassen. Es handelt sich ja um Probleme, von denen unsere Vorfahren häufig kaum
etwas oder überhaupt nichts wissen konnten, da sich die Lebensumstände so tief
greifend geändert haben. Wir dürfen uns bei der Gestaltung unseres Ordenslebens
nicht der eigenen Verantwortung entschlagen und auch nicht Angst haben vor
neuen Wegen oder Lösungen. Die Geschichte soll uns Lehrmeisterin des Lebens,
nicht Beherrscherin sein, sie soll mahnen und anregen, niemals aber hinderlich
sein.
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kennen vier Arten von Mönchen. 02 Die erste Art sind die Koinobiten: Sie leben
in einer klösterlichen Gemeinschaft und dienen unter Regel und Abt.
03 Die
zweite Art sind die Anachoreten, das heißt Einsiedler. Nicht in der ersten
Begeisterung für das Mönchsleben, sondern durch Bewährung im klösterlichen
Alltag 04 und durch die Hilfe vieler hinreichend geschult, haben sie gelernt,
gegen den Teufel zu kämpfen.
06 Die
dritte Art sind die Sarabaiten, eine ganz widerliche Art von Mönchen. Weder
durch eine Regel noch in der Schule der Erfahrung wie Gold im Schmelzofen
erprobt, sind sie weich wie Blei.
10 Die
vierte Art der Mönche sind die sogenannten Gyrovagen. Ihr Leben lang ziehen sie
landauf landab und lassen sich für drei oder vier Tage in verschiedenen
Klöstern beherbergen. 11 Immer unterwegs, nie beständig, sind sie Sklaven der
Launen ihres Eigenwillens und der Gelüste ihres Gaumens. In allem sind sie noch
schlimmer als die Sarabaiten.
12
Besser ist es, über den erbärmlichen Lebenswandel all dieser zu schweigen als
zu reden. 13 Lassen wir sie also beiseite, und gehen wir mit Gottes Hilfe
daran, der stärksten Art, den Koinobiten, eine Ordnung zu geben.
Art. 79 Wir folgten unserer
Berufung und traten in ein von uns freigewähltes Zisterzienserkloster ein, um
in der Schule des Herrendienstes unterwiesen zu werden; mit unserer Profess
haben wir sodann die Aufgaben und Lebensideale unseres Klosters freiwillig auf
uns genommen. Das monastische Leben wurde uns also nicht auferlegt, sondern wir
haben es freiwillig und in freier Hingabe übernommen. Daher bestehen unsere
Gemeinschaften aus Freiwilligen, die sich alle über das Ziel, das allen bekannt
und von allen gewollt ist, einig sind, sodass wir einmütig in einem Haus wohnen
und ein Herz und eine Seele sind.
Art. 80 Die Grundlage der
monastischen Gemeinschaft ist daher die freigewollte Hingabe der Mönche, welche
die Werte und Dienste ihres Klosters hochschätzen und sich mit ihnen
identifizieren. Diese freie Hingabe und freudige Überzeugung sind die treibende
Kraft für die Beobachtung der Gesetze und für den Gehorsam; sie sind die
Grundlage für die gesamte juridische Struktur. Wenn diese fehlt, kann die
monastische Kommunität ebenso wenig wie jede andere freiwillige Vereinigung
ihre wahre Lebenskraft beibehalten. Es ist also von größter Bedeutung, dass die
Mönche jene Hingabe, mit der sie das monastische Leben freiwillig auf sich
genommen haben, lebendig und in Freude erhalten; und jede Ordnung bzw.
Organisation des Gemeinschaftslebens soll sich auf dieses freie wollen und Streben
beziehen, es fördern und immer neu erwecken.
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er Abt,
der würdig ist, einem Kloster vorzustehen, muß immer bedenken, wie man ihn
anredet, und er verwirkliche durch sein Tun, was diese Anrede für einen Oberen
bedeutet. 02 Der Glaube sagt ja: Er vertritt im Kloster die Stelle Christi;
wird er doch mit dessen Namen angeredet 03 nach dem Wort des Apostels:
"Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem
wir rufen: Abba, Vater!" 04 Deshalb darf der Abt nur lehren oder bestimmen
und befehlen, was der Weisung des Herrn entspricht. 05 Sein Befehl und seine
Lehre sollen wie Sauerteig göttlicher Heilsgerechtigkeit die Herzen seiner
Jünger durchdringen. 06 Der Abt denke immer daran, daß in gleicher Weise über
seine Lehre und über den Gehorsam seiner Jünger beim erschreckenden Gericht
Gottes entschieden wird. 07 So wisse der Abt: Die Schuld trifft den Hirten,
wenn der Hausvater an seinen Schafen zu wenig Ertrag feststellen kann. 08 Andererseits
gilt ebenso: Hat ein Hirt einer unruhigen und ungehorsamen Herde all seine
Aufmerksamkeit geschenkt und ihrem verdorbenen Treiben jede nur mögliche Sorge
zugewandt, 09 wird er im Gericht des Herrn freigesprochen. Er darf mit dem
Propheten zum Herrn sagen: "Deine Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem
Herzen verborgen, ich habe von deiner Treue und Hilfe gesprochen, sie aber
haben mich verhöhnt und verachtet." 10 Dann kommt über die Schafe, die
sich seiner Hirtensorge im Ungehorsam widersetzt haben, als Strafe der
allgewaltige Tod.
Art. 94 Der Abt ist in erster Linie Seelenhirte, d. h.
sein Amt ist vor allem ein geistliches Amt, das auf das Heil der Seelen
abzielt. Seine Autorität ist Dienst und hat den Charakter eines demütigen
Dienstes gemäß der Lehre und dem Beispiel Christi, dessen Stelle er vertritt.
Deshalb geziemt es sich, dass er die väterliche Liebe, mit der Gott der Vater
die Mönche liebt, seinen Brüdern gegenüber ausdrückt und zeigt.
Art. 95 Der Abt ist darüber hinaus Vermittler des
Gotteswortes, indem er die Aufgabe eines Deuters der göttlichen Schriften in
den vielfältigen täglichen Lebensumständen erfüllt. Niemals kann sich der Abt
über das Wort Gottes stellen, vielmehr muss er sich ihm immer mehr unterwerfen.
Art. 96 Nicht weniger bedeutsam ist eine weitere Aufgabe,
die der Apostel "die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden" (1 Kor
12,10) nennt. Der Abt muss sich daher bemühen zu erkennen, ob der Einzelne
seiner Mönche vom Geist Gottes geleitet wird oder sich von rein irdischen
Bestrebungen seines eigenen Geistes oder des Geistes der Lüge täuschen lässt.
Um aber die Stimme des Heiligen Geistes von jeder anderen unterscheiden zu
können, muss er selbst auch in geistlichen Dingen durch Lehre und Erfahrung
bewandert sein.
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er also
den Namen "Abt" annimmt, muß seinen Jüngern in zweifacher Weise als
Lehrer vorstehen: 12 Er mache alles Gute und Heilige mehr durch sein Leben als
durch sein Reden sichtbar. Einsichtigen Jüngern wird er die Gebote des Herrn
mit Worten darlegen, hartherzigen aber und einfältigeren wird er die Weisungen
Gottes durch sein Beispiel veranschaulichen.
16 Der
Abt bevorzuge im Kloster keinen wegen seines Ansehens. 17 Den einen liebe er
nicht mehr als den anderen, es sei denn, er finde einen, der eifriger ist in
guten Werken und im Gehorsam. 18 Er ziehe nicht den Freigeborenen einem vor,
der als Sklave ins Kloster eintritt, wenn es dafür keinen vernünftigen Grund
gibt. 19 Der Abt kann aber jede Rangänderung vor nehmen, wenn er es aus Gründen
der Gerechtigkeit für gut hält. Sonst sollen die Brüder den Platz einnehmen,
der ihnen zukommt. 20 Denn ob Sklave oder Freier, in Christus sind wir alle
eins, und unter dem einen Herrn tragen wir die Last des gleichen Dienstes. Denn
bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. 21 Nur dann unterscheiden wir uns in
seinen Augen, wenn wir in guten Werken und in der Demut eifriger sind als
andere. 22 Der Abt soll also alle in gleicher Weise lieben, ein und dieselbe
Ordnung lasse er für alle gelten wie es jeder verdient.
Art. 97 Der Abt ist Mittelpunkt der Einheit der
Kommunität, der das Streben der Einzelnen auf die gemeinsamen Ziele hinlenkt
und die Bemühungen und Anstrengungen aller koordiniert. Deshalb muss der Abt
die Persönlichkeit aller Mitglieder hoch schätzen, verstehen und mit
gebührender Achtung behandeln. Die Hauptsorge eines Abtes, der für alle
genügend Zeit und stets ein offenes Herz hat, wird der aktive und verantwortliche
Gehorsam sein und die herzliche Zusammenarbeit der einzelnen, damit die Begabungen
aller im Dienst Gottes fruchtbar werden; er strebe danach, den ehrlichen und
offenen Dialog zu fördern; er wird die Mitbrüder teilnehmen lassen an den
Sorgen und Plänen, die das Leben des Klosters betreffen, und an allen
Angelegenheiten des Hauses; denn es geht ja dabei um ihre Sache. Er wird jedoch
auch die Verantwortung, die ihm kraft seines Amtes obliegt, aufsich nehmen,
wenn er etwas entscheiden muss, was ihm nach reiflicher Prüfung als der Wille
Gottes erscheint.
Art. 98 Da der Abt die Einheit zu fördern hat, soll er
alles vermeiden, was auf seine Trennung von den Mitbrüdern; er soll das gemeinschaftliche
Leben mit den Brüdern führen und ihnen ein Beispiel der Treue und des Eifers
geben; er soll nach Möglichkeit all das, was seine Abwesenheit vom Kloster
erfordert, auf ein Mindestmaß beschränken. Auch als Abt bleibt er Mönch und
Bruder unter Brüdern. Nur so setzt er sich als Mittelpunkt der Einheit und der
Liebe ganz für seine Brüder in der Liebe Christi ein.
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enn der
Abt lehrt, halte er sich immer an das Beispiel des Apostels, der sagt: "Tadle,
ermutige, weise streng zurecht." Das bedeutet für ihn: 24 Er lasse sich
vom Gespür für den rechten Augenblick leiten und verbinde Strenge mit gutem Zureden.
Er zeige den entschlossenen Ernst des Meisters und die liebevolle Güte des
Vaters. 25 Härter tadeln muß er solche, die keine Zucht kennen und keine Ruhe
geben; zum Fortschritt im Guten ermutige er alle, die gehorsam, willig und
geduldig sind; streng zurechtweisen und bestrafen soll er jene, die nachlässig
und wider spenstig sind.
26 Auf
keinen Fall darf er darüber hinwegsehen, wenn sich jemand verfehlt; vielmehr
schneide er die Sünden schon beim Entstehen mit der Wurzel aus, so gut er kann.
Er soll daran denken, daß ihm sonst das Schicksal des Priesters Heli von Schilo
droht. 27 Rechtschaffene und Einsichtige weise er einmal und ein zweites Mal
mit mahnenden Worten zurecht. 28 Boshafte aber, Hartherzige, Stolze und
Ungehorsame soll er beim ersten Anzeichen eines Vergehens durch Schläge und
körperliche Züchtigung im Zaum halten. Er kennt doch das Wort der Schrift:
"Ein Tor läßt sich durch Worte nicht bessern." 29 Und auch dieses:
"Schlage deinen Sohn mit der Rute, so rettest du sein Leben vor dem
Tod."
Art.
115 . Der Abtpräses leitet die
Kongregation im Sinn des Kongregationskapitels und ist Zeichen der brüderlichen
Einheit, in der die Klöster untereinander verbunden sind. Sein Dienst hat zum
Ziel, das monastische Leben in den klösterlichen Familien gemäß den
Konstitutionen zu fördern, zu stärken und zu steigern.
Es ist seine Aufgabe, zum Wohl der ganzen Kongregation die Beziehungen
zwischen den einzelnen Klöstern zu pflegen. Bei diesem Anliegen sollen die Äbte
und die Mönche der einzelnen Klöster dem Abtpräses dadurch helfen, dass sie
untereinander brüderliche Beziehungen pflegen, gerne einander aufnehmen, bei
den Studien zusammenarbeiten, zu geistlichen Vorträgen und zu Konferenzen in
administrativen Angelegenheiten zusammenkommen und sich von Tag zu Tag besser
kennen zu lernen und zu schätzen bestrebt sind.
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er Abt
muß bedenken, was er ist, und bedenken, wie man ihn anredet. Er wisse: Wem mehr
anvertraut ist, von dem wird mehr verlangt. 31 Er muß wissen, welch schwierige
und mühevolle Aufgabe er auf sich nimmt: Menschen zu führen und der Eigenart
vieler zu dienen. Muß er doch dem einen mit gewinnenden, dem anderen mit
tadelnden, dem dritten mit überzeugenden Worten begegnen. 32 Nach der Eigenart
und Fassungskraft jedes einzelnen soll er sich auf alle einstellen und auf sie
eingehen. So wird er an der ihm anvertrauten Herde keinen Schaden erleiden,
vielmehr kann er sich am Wachsen einer guten Herde freuen.
33 Vor
allem darf er über das Heil der ihm Anvertrauten nicht hinwegsehen oder es
geringschätzen und sich größere Sorge machen um vergängliche, irdische und
hinfällige Dinge. 34 Stets denke er daran: Er hat die Aufgabe übernommen,
Menschen zu führen, für die er einmal Rechenschaft ablegen muß. 35 Wegen des
vielleicht allzu geringen Klostervermögens soll er sich nicht beunruhigen;
vielmehr bedenke er das Wort der Schrift: "Sucht zuerst das Reich Gottes
und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben." 36 Ein
anderes Schriftwort sagt: "Wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel."
37 Der Abt muß wissen: Wer es auf sich nimmt, Menschen zu führen, muß sich
bereithalten, Rechenschaft abzulegen. 38 Er sei sich darüber ganz im klaren:
Wie groß auch die Zahl der Brüder sein mag, für die er Verantwortung trägt, am
Tag des Gerichtes muß er für sie alle dem Herrn Rechenschaft ablegen, dazu ohne
Zweifel auch für sich selbst. 39 Immer in Furcht vor der bevorstehenden
Untersuchung des Hirten über die ihm anvertrauten Schafe, sorgt er für seine
eigene Rechenschaft, wenn er sich um die anderen kümmert. 40 Wenn er mit seinen
Ermahnungen anderen zur Besserung verhilft, wird er selbst von seinen Fehlern
geläutert.
Art. 123 Der Generalabt wird vom Generalkapitel gewählt; er
leitet den Orden im Sinn des Generalkapitels und nach den Normen der
Konstitutionen und fördert die Ziele unserer Vereinigung.
Der Generalabt hat folgende Aufgaben:
a - Er ist Förderer und Mittelpunkt der brüderlichen Einheit im Orden,
vor allem dadurch, dass er bereit ist, der Eigenart vieler zu dienen und allen
Kommunitäten des Ordens gerechte und unparteiische Zuneigung entgegenzubringen,
sie zu fördern und zu vertreten. Er macht sich die Werte und gemeinsamen Ideale
des Ordens in seinem persönlichen Tun und im offiziellen Handeln zu Eigen. Erfühlt
mit dem Orden, wie er sich tatsächlich in unseren Kommunitäten verwirklicht,
und nimmt mit offenem Herzen ihre Sorgen, Bestrebungen und Meinungen wahr.
b - Er ist Förderer und Koordinator bei Projekten und gemeinsamen
Plänen, die zwar die Kräfte einzelner Kommunitäten oder Kongregationen
übersteigen, aber allen oder vielen von Nutzen sind. Er nimmt aktiven Anteil an
der Entwicklung oder Ausarbeitung solcher Projekte, erweckt die Initiative der
anderen und treibt schließlich ihre Ausführung mit Rat und Tat voran.
c - Er setzt seine in den Konstitutionen festgelegte Autorität im
Dienst an allen ein; er ist Vater, ja sogar Bruder unter Brüdern im Geist
Christi und ist mehr bestrebt zu helfen als vorzustehen. In seinen
Rundschreiben, Ansprachen und anderen Mitteilungen an den Orden spricht er im
Geist eines Mitbruders, Mitschülers und Mitknechtes des Herrn und sucht
zusammen mit den übrigen Brüdern die Wahrheit und den Willen Gottes. Selbst
erfüllt, überzeugt und begeistert von dem Wert der Ordensberufung, strebt er
danach, den Mitbrüdern bzw. Kommunitäten neue Perspektiven und Möglichkeiten zu
zeigen und ihnen Hoffnung auf die Zukunft zu geben.
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ooft
etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze
Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht. 02 Er soll den
Rat der Brüder anhören und dann mit sich selbst zu Rate gehen. Was er für
zuträglicher hält, das tue er. 03 Daß aber alle zur Beratung zu rufen seien,
haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das
Bessere ist. 04 Die Brüder sollen jedoch in aller Demut und Unterordnung ihren
Rat geben. Sie sollen nicht anmaßend und hartnäckig ihre eigenen Ansichten
verteidigen. 05 Vielmehr liegt die Entscheidung im Ermessen des Abtes: Was er
für heilsamer hält, darin sollen ihm alle gehorchen. 06 Wie es jedoch den
Jüngern zukommt, dem Meister zu gehorchen, muß er seinerseits alles
vorausschauend und gerecht ordnen.
07 Alle
sollen in allem der Regel als Lehrmeisterin folgen, und niemand darf
leichtfertig von ihrer Weisung abweichen. 08 Keiner darf im Kloster dem Willen
seines eigenen Herzens folgen. 09 Niemand maße sich an, mit seinem Abt
unverschämt oder gar außerhalb des Klosters zu streiten. 10 Geht aber einer in
seiner Anmaßung so weit, dann treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe.
11 Der Abt allerdings muß seine Anordnungen immer in Gottesfurcht treffen und
sich dabei an die Regel halten. Er muß wissen, daß er sich ohne Zweifel für all
seine Entscheidungen vor Gott, dem gerechten Richter, zu verantworten hat.
12 Wenn
weniger wichtige Angelegenheiten des Klosters zu behandeln sind, soll er nur
die Älteren um Rat fragen, 13 lesen wir doch in der Schrift: "Tu alles mit
Rat, dann brauchst du nach der Tat nichts zu bereuen."
Art. 102 Wenn immer es sich um schwerwiegende
Angelegenheiten des Klosters handelt, in erster Linie in den Fällen, die in den
Konstitutionen der Kongregationen und im allgemeinen Kirchenrecht vorgeschrieben
sind, nimmt das Konventkapitel an der Leitung des Klosters teil. In einem echt
kollegialen Akt findet dort die Abtwahl statt, auf kollegiale Weise werden
Entscheidungen über den Tätigkeitsbereich des Klosters, die Zulassung und
Bildung neuer Mitglieder und die Verwaltung der zeitlichen Güter getroffen.
Art. 103 Doch die Aufgabe des Kapitels darf nicht bloß auf
die Fälle beschränkt werden, in denen die Kapitulare auf Grund des allgemeinen
oder besonderen Rechtes ihr entscheidendes bzw. beratendes Stimmrecht ausüben
sollen; die Mitglieder sollen häufiger zum Gespräch zusammenkommen, zu einem
wirklich brüderlichen Dialog, damit die teilnehmende Mitsorge der Mitbrüder am
Wohl des Klosters wirksam ausgeübt werden kann. Darum soll das Konventkapitel
auch das Informationsforum sein über Angelegenheiten des Klosters, der
Kongregation und des Ordens, und wodie Offizialen übererfüIIte Aufgaben und
Fachleute über aktuelle Fragen Bericht erstatten.
Art. 104 Die im Kapitel zu behandelnden Fragen sollen unter
Mitwirkung des zahlenmäßig kleineren Abtrates ausgewählt werden, wobei auf die
Wünsche und Probleme, die von den Mitbrüdern vorgebracht werden, zu achten ist.
Die Tagesordnungs punkte sollen rechtzeitig und in geeigneter Weise dem Konvent
bekannt gegeben werden, sodass für das Studium und das Überdenken der Fragen genügend
Zeit bleibt. In bestimmten Angelegenheiten ist es günstiger, wenn die Antworten
schriftlich gegeben werden. Die Verpflichtung zum Kapitelgeheimnis soll auf
jene Fälle beschränkt werden, die absolute Diskretion verlangen; allerdings
sollen die Mitbrüder dort, wo es sich um Angelegenheiten der klösterlichen
Familie handelt, nach außen höchste Diskretion wahren.
Art.
Art. 106 Der Abtrat, der zahlenmäßig geringer ist und oft
Seniorenrat genannt wird, soll dann einberufen werden, wenn es die Notwendigkeit
oder der Nutzen der Klosterfamilie verlangt, und in Angelegenheiten, die
Geheimhaltung verlangen. Die Hälfte des Abtrates pflegt der Konvent zu wählen,
den Rest ernennt der Abt.
Art. 107 Durch die Verwirklichung dieser Prinzipien und
Ratschläge können unsere Kommunitäten neu gekräftigt werden und Familien sein,
die im Haus des Herrn in Liebe wohnen; die wohl geordnete Reihe der Brüder wird
sich fester Einheit erfreuen, wo der Einzelne durch die Erfüllung seiner
Aufgabe allen dient und wo er von allen gestärkt wird.
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allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit
ganzer Kraft. 02 Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst.
03
Dann: nicht töten. 04 Nicht die Ehe brechen. 05 Nicht stehlen. 06 Nicht
begehren. 07 Nicht falsch aussagen. 08 Alle Menschen ehren. 09 Und keinem
anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte.
10 Sich
selbst verleugnen, um Christus zu folgen. 11 Den Leib in Zucht nehmen. 12 Sich
Genüssen nicht hingeben. 13 Das Fasten lieben.
14 Arme
bewirten. 15 Nackte bekleiden. 16 Kranke besuchen. 17 Tote begraben. 18
Bedrängten zu Hilfe kommen. 19 Trauernde trösten.
20 Sich
dem Treiben der Welt entziehen. 21 Der Liebe zu Christus nichts vorziehen. 22
Den Zorn nicht zur Tat werden lassen. 23 Der Rachsucht nicht einen Augenblick
nachgeben. 24 Keine Arglist im Herzen tragen. 25 Nicht unaufrichtig Frieden
schließen. 26 Von der Liebe nicht lassen. 27 Nicht schwören, um nicht falsch zu
schwören. 28 Die Wahrheit Herz und Mund bekennen. Nicht Böses mit Bösem
vergelten. 30 Nicht Unrecht tun, vielmehr erlittenes geduldig ertragen. 31 Die
Feinde lieben. 32 Die uns verfluchen, nicht auch verfluchen, sondern mehr noch
sie segnen. 33 Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen.
34
Nicht stolz sein, 35 nicht trunksüchtig, 36 nicht gefräßig, 37 nicht
schlafsüchtig, 38 nicht faul sein. 39 Nicht murren. 40 Nicht verleumden.
41
Seine Hoffnung Gott anvertrauen. 42 Sieht man Gutes bei sich, es Gott
zuschreiben, nicht sich selbst. 43 Das Böse aber immer als eigenes Werk
erkennen, sich selbst zuschreiben.
44 Den
Tag des Gerichtes fürchten. 45 Vor der Hölle erschrecken. 46 Das ewige Leben
mit allem geistlichen Verlangen ersehnen. 47 Den unberechenbaren Tod täglich
vor Augen haben. 48 Das eigene Tun und Lassen jederzeit überwachen. 49 Fest
überzeugt sein, daß Gott überall auf uns schaut. 50 Böse Gedanken, die sich in
unser Herz einschleichen, sofort an Christus zerschmettern und dem geistlichen
Vater eröffnen.
51
Seinen Mund vor bösem und verkehrtem Reden hüten. 52 Das viele Reden nicht
lieben. 53 Leer oder zum Gelächter reizende Worte meiden. 54 Häufiges oder
ungezügeltes Gelächter nicht lieben. 55 Heilige Lesungen gern hören. 56 Sich
oft zum Beten niederwerfen. 57 Seine früheren Sünden unter Tränen und Seufzen
täglich im Gebet Gott bekennen; 58 und sich von allem Bösen künftig bessern.
59 Die
Begierden des Fleisches nicht befriedigen. 60 Den Eigenwillen hassen. 61 Den
Anweisungen des Abtes in allem gehorchen, auch wenn er selbst, was ferne sei,
anders handelt; man denke an die Weisung des Herrn: "Was sie sagen, das
tut; was sie aber tun, das tut nicht."
62
Nicht heilig genannt werden wollen, bevor man es ist, sondern es erst sein, um
mit Recht so genannt zu werden. 63 Gottes Weisungen täglich durch die Tat
erfüllen. 64 Die Keuschheit lieben. 65 Niemand hassen. 66 Nicht eifersüchtig
sein. 67 Nicht aus Neid handeln. 68 Streit nicht lieben. 69 Überheblichkeit
fliehen.
70 Die
Älteren ehren, 71 die Jüngeren lieben.
75 Das
sind also die Werkzeuge der geistlichen Kunst. 76 Wenn wir sie Tag und Nacht unaufhörlich
gebrauchen und sie am Tag des Gerichts zurückgeben, werden wir vom Herrn jenen
Lohn empfangen, den er selbst versprochen hat: 77 "Was kein Auge gesehen
und kein Ohr gehört hat, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben." 78 Die
Werkstatt aber, in der wir das alles sorgfältig verwirklichen sollen, ist der
Bereich des Klosters und die Beständigkeit in der Gemeinschaft.
Art.
46 . Gott beruft uns nicht nur zu
dem oben dargelegten Ziel, sondern auch dazu, dass wir die von ihm für uns
bestimmten Mittel anwenden; dazu gehören vor allem die evangelischen Räte, das
Leben in der zisterziensischen Gemeinschaft, das Gebet, die Liebe zum Kreuz und
der Dienst, den wir der menschlichen Gesellschaft durch unsere Arbeit leisten.
Art. 47 Um Christus, unserem Lehrer, als Schüler in
besonderer Weise nachzufolgen, nehmen wir die evangelischen Räte auf uns. So
wollen wir uns immer mehr mit ihm vereinen und ihm auf dem Weg klösterlichen Lebenswandels
immer enger und inniger folgen.
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er
erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern. 02 Er ist die Haltung derer,
denen die Liebe zu Christus über alles geht. 03 Wegen des heiligen Dienstes,
den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der Hölle und wegen der Herrlichkeit
des ewigen Lebens 04 darf es für sie nach einem Befehl des Oberen kein Zögern
geben, sondern sie erfüllen den Auftrag sofort, als käme er von Gott. 05 Von
ihnen sagt der Herr: "Aufs erste Hören hin gehorcht er mir." 06 Und
ebenso sagt er den Lehrern: "Wer euch hört, hört mich." 07 Daher verlassen
Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf. 08
Sogleich legen sie unvollendet aus der Hand, womit sie eben beschäftigt waren.
Schnellen Fußes folgen sie gehorsam dem Ruf des Befehlenden mit der Tat. 09 Mit
der Schnelligkeit, die aus der Gottesfurcht kommt, geschieht beides rasch wie
in einem Augenblick: der ergangene Befehl des Meisters und das voll brachte
Werk des Jüngers. 10 So drängt sie die Liebe, zum ewigen Leben
voranzuschreiten. 11 Deshalb schlagen sie entschlossen den engen Weg ein, von
dem der Herr sagt: "Eng ist der Weg, der zum Leben führt." 12 Sie
leben nicht nach eigenem Gutdünken, gehorchen nicht ihren eigenen Gelüsten und
Begierden, sondern gehen ihren Weg nach der Entscheidung und dem Befehl eines
anderen 12 Sie bleiben im Kloster und haben das Verlangen, daß ein
Abt ihnen vorstehe. 13 Ohne Zweifel folgen sie auf diesem Weg dem Herrn nach,
der sagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den
Willen dessen, der mich gesandt hat."
14 Ein
Gehorsam dieser Art ist nur dann Gott angenehm und für die Menschen beglückend,
wenn der Befehl nicht zaghaft, nicht saumselig, nicht lustlos oder gar mit
Murren und Widerrede ausgeführt wird. 15 Denn der Gehorsam, den man den Oberen
leistet, wird Gott erwiesen; sagt er doch: "Wer euch hört, hört
mich." 16 Die Jünger müssen ihn mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt
einen fröhlichen Geber. 17 Wenn aber der Jünger verdrossen gehorcht, also nicht
nur mit dem Mund, sondern auch mit dem Herzen murrt, 18 so findet er, selbst
wenn er den Befehl ausführt, doch kein Gefallen bei Gott, der das Murren seines
Herzens wahrnimmt. 19 Für solches Tun empfängt er keinen Lohn, sondern verfällt
der Strafe der Murrer, wenn er nicht Buße tut und sich bessert.
Art. 52 Gehorsam bedeutet vor allem ein offenes Herz, das
die Anregungen des Heiligen Geistes aufnimmt, denn dieser weht, wo er will, und
gibt uns auf vielfache Weise den Willen Gottes kund. Und wie es die Speise
Christi war, den willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat, indem er
Knechtsgestalt annnahm und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz,
so müssen auch wir, die wir Christus enger nachfolgen wollen, den Willen des
Vaters erforschen, damit wir ihn mit bereitem Herzen erfüllen können.
Zu meist wird uns die Stimme Gottes durch die Stimme der Kirche
übermittelt, in der Lehre und den Weisungen des Papstes, des Heiligen Stuhles,
der Bischöfe und des Abtes, die nicht nur äußere Dinge regeln sollen, sondern
auch unsere Spiritualität formen müssen.
Art. 53 Deshalb verlangen die Mönche, die im Geist des
Glaubens und der Liebe den Willen Gottes zu erfüllen trachten, dass ihnen ein
Abt vorsteht, der für sie die Stelle Christi vertritt; ihm leisten sie nach der
Weisung der Regel und der Konstitutionen demütigen Gehorsam, indem sie die
Kräfte des Verstandes und des Willens und die von Gott geschenkten Talente bei
der Ausführung der Vorschriften und der Erfüllung der ihnen übertragenen
Aufgaben einsetzen, weil sie wissen, dass sie nach dem Willen Gottes am Aufbau
des Leibes Christi mitwirken. So gesehen mindert der Ordensgehorsam keineswegs
die Würde der menschlichen Person, sondern führt sie, bereichert durch die
Freiheit der Kinder Gottes, zur Reife.
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un wir,
was der Prophet sagt: "Ich sprach, ich will auf meine Wege achten, damit
ich mich mit meiner Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache vor meinen
Mund, ich verstummte, demütigte mich und schwieg sogar vom Guten." 02 Hier
zeigt der Prophet: Man soll der Schweigsamkeit zuliebe bisweilen sogar auf gute
Gespräche verzichten. Um so mehr müssen wir wegen der Bestrafung der Sünde von
bösen Worten lassen.
03 Mag
es sich also um noch so gute, heilige und aufbauende Gespräche handeln, vollkommenen
Jüngern werde nur selten das Reden erlaubt wegen der Bedeutung der
Schweigsamkeit. 04 Steht doch geschrieben: "Beim vielen Reden wirst du der
Sünde nicht entgehen", 05 und an anderer Stelle: "Tod und Leben
stehen in der Macht der Zunge." 06 Denn Reden und Lehren kommen dem Meister
zu, Schweigen und Hören dem Jünger.
07 Muß
man den Oberen um etwas bitten, soll es in aller Demut und ehrfürchtiger
Unterordnung erbeten werden. 08 Albernheiten aber, müßiges und zum Gelächter
reizendes Geschwätz verbannen und verbieten wir für immer und überall. Wir
gestatten nicht, daß der Jünger zu solchem Gerede den Mund öffne.
Art. 48 . Die
freiwillige Keuschheit, den wir freiwillig um des Gottesreiches willen auf uns
nehmen, ist nicht ein bloßer Verzicht auf die Ehe und die Freuden der natürlichen
Familie, sondern muss uns frei machen, damit wir uns mit allen körperlichen und
seelischen Kräften um die Belange Gottes und der Kirche sorgen können. Durch
die Ordensprofess wollen wir auf direktere und eindringlichere Weise
Zeugnisablegen für die christliche Hoffnung auf die kommende Welt, in der die
Menschen weder heiraten noch geheiratet werden. Von da her ist die Keuschheit
auch ein wichtiges eschatologisches Zeichen unseres Lebens.
Art. 49 Diese vollständige Selbsthingabe an Gott muss die Grundlage für den Aufbau der klösterlichen Familie abgeben. In dieser Familie Gottes begründen die gemeinsame Liebe und die gl