Brief des Generalabtes und seines Rates zur Vorbereitung des Generalkapitels des Ordens

 

Rom, am 3. Dezember 2009

 

Lieber Abt, liebe Äbtissin, lieber Prior, liebe Priorin!

 

Bei der letzten Synode erlebten wir ein aufrichtiges und von Liebe getragenes Klima. Die Berichterstattungen als Antworten auf die Fragen unseres Vorebereitungsbriefes haben sich als wahre gegenseitige Hilfestellung erwiesen, dank Eurer ehrlichen und konkreten Antworten.

 

Wir haben erkannt, dass es ohne Aufrichtigkeit keinen Fortschritt in liebevoller Gemeinschaft geben kann. Mit dem vorliegenden Brief wollen wir ein zu einem ähnlichen positiven Klima in Vorbereitung und Ablauf des kommenden Generalkapitels einladen. Aus den Berichten der Abtpräsides haben wir entnommen, dass das zentrale Problem in unserem Orden momentan das Gemeinschaftsleben ist als ein Ort ganzheitlicher menschlicher Bildung und aufrichtiger Gottsuche.

 

Um dieses Thema zu vertiefen, bitten wir Euch, in allen Gemeinschaften die folgenden Fragen zu beraten und zu beantworten. Dieses gemeinsame Studium aller einzelner Klöster soll dann den Abtpräsides als Grundlage bei der Redaktion ihrer Berichte für das Generalkapitel dienen. Diese Berichterstattungen sollen bitte die Fragen auch in der Reihenfolge beantworten, wie wir sie hier stellen, um so besser vergleichen zu können und füreinander Hilfe zu finden.

               

 

1.                  Wie wird das Gemeinschaftsleben in den Klöstern Ihrer Kongregation gelebt?

 

2.                   Worin besteht die Wichtigkeit des Gemeinschaftslebens auf dem Weg unserer Berufung, Gott wahrhaftig zu suchen und eine aufrichtige mitbrüderliche Liebe zu leben?

 

3.                  Welche sind die Instrumente der Ausbildung, um in unserer Berufung des zönobitischen Mönchtums zu wachsen?

 

4.                   Wie können im aktuellen Lebensumfeld unsere Klöster Orte sein, die der Sehnsucht entsprechen eines jeden, „der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht“ (RB Prol. 15, Sal 33, 13)?

 

5.                  Wie nehmen wir in unseren Gemeinschaften die Jugendlichen und alle anderen Personen auf, die neue Formen der Zugehörigkeit zum Kloster suchen?

 

6.                  Wie begegnen wir der täglichen Spannung zwischen Gemeinschaftsleben und Individualismus, zwischen Gemeinschaftsleben und Arbeit oder Dienst, sodass jede Person wachsen kann in Hinsicht einer Einheit in der Gemeinschaft?

 

7.                  Wir brauchen immer die gegenseitige Hilfe. Wie drücken wir das aus, im Gemeinschaftsleben und im gegenseitigen Verständnis in den Kongregationen und im Orden?

 

 

Ihre Antworten werden dem neugewählten Generalabt eine Hilfe sein, seine Hirtenaufgabe in Angriff zu nehmen in den Erwartungen der Kongregationen ihm gegenüber. Sie werden ihm helfen, seine Rolle als Garant der Einheit im Orden zu erfüllen und besonders in seiner Aufgabe, Koordinator der Ausbildung für den ganzen Orden zu sein, weil er auch Oberer des Kollegs des Heiligen Bernhard ist und Haupt­verantwortlicher für die Kurse der monastischen Weiterbildung.

 

In der gegenwärtigen Situation des Ordens, der Kirche und der Welt, sollten wir einige Punkte in den Konstitutionen überarbeiten, so scheint uns, um unserer Realität und unserer Sehnsucht nach Einheit und Zusammenarbeit gerecht zu werden:

 

 

 

 

 


Zum Beispiel:

 

1.                  Wäre nicht eine häufigere Frequenz der Generalkapitel notwendig?

 

2.                  Wäre es nicht an der Zeit, die Zahl der Mitglieder des Generalkapitels zu überdenken? Sollten wir nicht die Zahl der Delegierten senken um das Gleichgewicht zu halten zwischen den einzelnene Kongregationen die inzwischen in sehr unterschiedlicher Zahlenstärke sind.

 

 

3.                  Wie sollen wir in Zukunft die Klöster außerhalb der Kongregationen organisieren in Hinblick auf die Kongregationen und den Generalabt?

 

Zu diesem Thema soll jeder Abtpräses (Äbtissinpräses) – nachdem die einzelnen Gemeinschaften befragt worden sind – Vorschläge und Überlegungen an den Generalprokurator senden, der zu diesem Thema der Relator im Generalkapitel sein wird.

 

Ein wichtiges Thema des Generalkapitels wird die Wahl eines neuen Generalabtes sein, die für den 2. September 2010 vorgesehen ist. Der Vortag, der 1. September, wird ein Tag des Gebetes und der Stille sein, geleitet von P. Raniero Cantalamessa OFMCap, Prediger des Päpstlichen Hauses. Aber auch jetzt schon soll diese Wahl im Gebet vorbereitet werden, auf dass sich der Wille Gottes zum Wohl des Ordens erfülle, ohne in menschliche Kalküle oder Privatinteressen zu verfallen. Das Gebet ist der wichtigste Beitrag, den alle Mönche und Nonnen zum Wohl des Ordens leisten sollen.

 

Die schriftlichen Berichte der Abtpräsides sollen bis Ende Juni 2010 an den Generalprokurator geschickt werden, bereits in den folgenden Übersetzungen: Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch. Zum selben Termin sind auch die Eingaben und Antworten auf die Fragen zu den Ordenskonstitutionen einzuschicken (diese aber nur in einer dieser vier Sprachen).

 

Die Berichte der Abtpräsides sollen in zwei Teile gegliedert sein: erstens die Antworten auf die (in diesem Brief gestellten) Fragen und zweitens eine Power-Point-Präsentation in der Dauer einer Minute für jedes Kloster der Kongregation. Hingegen wird der Bereich der Statistik in Form eines Schematismus vom Sekretariat erstellt und den Kapitularen übergeben. Zu diesem Zweck mögen bitte bis Ende Juni alle Daten ihrer Kongregation auf den neuesten Stand gebracht werden.

 

Liebe Äbte, Äbtissinnen, Prioren und Priorinnen, diese Adventtage, in denen wir unseren Brief verfassen, bereiten und vor in Stille, Hören, und Gebet, das menschgewordene Wort in unserer Mitte aufzunehmen. ER ist gekommen, um die Einheit der Menschen mit Gott und untereinander wieder herzustellen, er möge uns auch öffnen, diese Gnade wieder neu in uns aufzunehmen in Wahrheit und Liebe für unseren ganzen Orden.

 

Allen gesegnete Weihnachten!

 

 

Der Generalabt und sein Rat

 

Maurus Esteva Alsina

Abt Vladimir Gaudrat, von Lérins und Präses der Kongregation der Unbefleckten Empfängnis; Abt Mauro-Giuseppe Lepori von Hauterive; Äbtissin Pauline Couette von Boulaur; Äbtissin Hildegard Brem von Mariastern-Gwiggen und General­prokurator P. Meinrad Tomann.